EU: EZB plant tokenisiertes Zentralbankgeld zur Stärkung von Zahlungsverkehr und Geldpolitik
Der Europäische Zentralbank (EZB) hat am 4. Mai 2026 in Rom eine Rede von Vorstandsmitglied Piero Cipollone gehalten, in der er die geplante Einführung tokenisierter Zentralbankgeld‑ und Kollateral‑Lösungen zur Steigerung der Effizienz im Zahlungsverkehr und zur Wahrung der Wirksamkeit der Geldpolitik erläuterte.
Transformation durch Tokenisierung
Tokenisierung und Distributed‑Ledger‑Technologie (DLT) werden als allgemeine Schlüsseltechnologien beschrieben, die nicht nur einzelne Systemteile optimieren, sondern das gesamte Finanzsystem neu strukturieren können. Durch die Abbildung von Vermögenswerten als digitale Token können Emission, Handel, Abwicklung und Verwahrung in einer durchgängigen, rund‑um‑die‑Uhr verfügbaren Umgebung stattfinden.
Koordinations‑ und Architektur‑Herausforderungen
Der Redner betonte, dass die realen Effizienzgewinne nur dann eintreten, wenn sämtliche Marktakteure gleichzeitig die neue Logik übernehmen. Unterschiedliche mögliche Architekturen – ein einheitliches Netzwerk versus mehrere verbundene Netze – bringen jeweils eigene Vor‑ und Nachteile mit sich, insbesondere hinsichtlich Liquiditätsfragmentierung und Wettbewerbsfähigkeit.
Beitrag der Zentralbank
Die EZB sieht zwei zentrale Handlungsfelder: Erstens die Bereitstellung tokenisierten Zentralbankgeldes als risikofreies Abwicklungs‑Asset, zweitens die Erweiterung der Kollateral‑Berechtigung für DLT‑basierte Vermögenswerte. Seit März wurden bereits marktgängige Token, die in zentralen Wertpapier‑Depots über DLT ausgegeben werden, als Kollateral für Eurosystem‑Kreditoperationen akzeptiert.
Projekt Pontes und weitere MaĂźnahmen
Ab September wird das Projekt „Pontes“ tokenisiertes Zentralbankgeld für DLT‑Transaktionen bereitstellen, um ein verlässliches öffentliches Abwicklungs‑Fundament zu schaffen. Parallel dazu prüft die EZB die Ausweitung der Kollateral‑Berechtigung auf weitere tokenisierte Wertpapiere, die bislang nicht in etablierten Abwicklungssystemen erfasst sind.
Auswirkungen auf Geldpolitik, Finanzstabilität und Souveränität
Ein stabiler, tokenisierter Geldanker soll die Geldpolitik wirksam halten, indem er die Fragmentierung von Liquidität begrenzt und das Risiko von Run‑Szenarien bei privaten Settlement‑Assets reduziert. Ohne ein solches öffentliches Asset bestünde die Gefahr, dass stabile Coins die Geldnachfrage dominieren, was die Transmission von Leitzinsen schwächen und die monetäre Souveränität gefährden könnte.
Schlussfolgerung
Die EZB strebt an, durch tokenisiertes Zentralbankgeld und erweiterte Kollateral‑Regeln die versprochenen Effizienzgewinne der Tokenisierung zu realisieren, während sie gleichzeitig die Stabilität des Finanzsystems und die Unabhängigkeit der Geldpolitik schützt.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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