Der Governing Council der Europäischen Zentralbank hat am 29. und 30. April 2026 in Frankfurt am Main die geldpolitische Lage der Eurozone bewertet. Im Fokus standen die anhaltenden Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die Energiepreise, die daraus resultierenden Inflationsaussichten sowie die Einschätzung von tokenisierten Finanzmärkten.
Finanzmarktentwicklung und Inflationsprognosen
Seit der vorherigen Sitzung am 18./19. März 2026 seien die Finanzmärkte weiterhin stark vom Konflikt im Nahen Osten beeinflusst worden. Trotz erhöhter Volatilität hielten die Märkte an der Erwartung fest, dass der Ölpreisschock über einen längeren Zeitraum bestehen bleibe. Die Inflationserwartungen für 2026 seien auf bis zu 3,6 % gestiegen, für 2027 liege der Trend noch höher. Der Rat gehe davon aus, dass die Inflationsrate erst 2028 wieder das Ziel von 2 % erreiche.
Wirtschaftliche Resilienz und Risiko‑Assets
Gleichzeitig signalisieren die Märkte eine relativ robuste Konjunktur. Risiko‑Assets wie Aktien, Staats‑ und Unternehmensanleihen sowie der Euro‑Wechselkurs näherten sich wieder den Vor‑Krieg‑Niveaus. Die Anleger würden jedoch die anhaltende Energiepreisinflation als dominierenden Risikofaktor ansehen, was zu einer Preisgestaltung von rund 73 Basispunkten kumulierten Zinsanhebungen im Jahr 2026 führe.
Zinsentwicklung und Geldpolitik
Die Zinskurve habe sich seit Beginn des Konflikts deutlich nach oben bewegt, insbesondere die Overnight‑Index‑Swaps. Der reale Zinsmarkt habe hingegen eine Verflachung erfahren, weil die realen Kurzfristzinsen gegenüber den Vor‑Krieg‑Werten gefallen seien. Marktteilnehmer preisen bereits eine Erhöhung des Leitzinses um 25 Basispunkte bis Juni, weitere Anhebungen im September und Dezember mit hoher Wahrscheinlichkeit ein.
Wechselkurs und Aktienmärkte
Der EUR/USD‑Kurs habe sich nach der anfänglichen Abwertung fast vollständig erholt, unterstĂĽtzt durch eine optimistischere RisikoÂeinstimmung und die Erwartung einer restriktiveren Geldpolitik im Vergleich zu den USA. Die europäischen Aktienindizes zeigten nach einem starken Einbruch seit Kriegsbeginn eine Teil‑Erholung, während die US‑Märkte von positiven Erwartungen an KĂĽnstliche Intelligenz profitierten.
Tokenisierte Finanzmärkte
Am Ende der Sitzung stellte der Präsident der EZB fest, dass tokenisierte Finanzmärkte – insbesondere Stablecoins, De‑Fi‑Plattformen und tokenisierte traditionelle Vermögenswerte – rapide wachsen, jedoch noch durch regulatorische und strukturelle Hürden gehemmt seien. Aus Sicht der Zentralbank bestehe das Risiko einer Liquiditätsfragmentierung, gleichzeitig könnten Effizienzgewinne bei Emissionen und Abwicklungen erzielt werden.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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