Der Vorstand der Europäischen Zentralbank hat am 14. Februar 2026 auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Notwendigkeit betont, sich auf zunehmende geowirtschaftliche Fragmentierung vorzubereiten. In seiner Eröffnungsrede verwies er darauf, dass Lieferketten heute sowohl wirtschaftliche als auch sicherheitspolitische Relevanz besitzen.
Verstärkte Verwundbarkeit durch globale Lieferketten
In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die wirtschaftliche Verflechtung stark vertieft, wodurch komplexe grenzüberschreitende Handelsströme entstanden seien. Während diese Vernetzung früher als Stabilitätsfaktor galt, stelle sie nun ein Risiko dar – insbesondere bei Störungen wie der Pandemie oder einer gezielten Instrumentalisierung von Abhängigkeiten.
Quantitative Folgen bei Lieferausfällen
Die Analyse des Eurosystems gehe davon aus, dass ein plötzlicher Rückgang von 50 % der Lieferungen aus geopolitisch entfernten Quellen die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe um 2‑3 % reduzieren würde. Die größten Einbußen würden dabei in den Bereichen elektrische Geräte, Chemie und Elektronik auftreten.
Strategische Handlungsoptionen
Die Rede stellte drei zentrale Strategien vor: Unabhängigkeit durch Wiederaufbau kritischer Lieferketten im Inland, Unentbehrlichkeit durch Stärkung unverzichtbarer Segmente und Diversifizierung durch Verteilung der Beschaffungsquellen auf mehrere Partner. Jede Option sei legitim, jedoch müsse ihre Anwendung klar differenziert werden, um Zielkonflikte zu vermeiden.
Risiken einseitiger Strategien
Ein übermäßiger Fokus auf Unabhängigkeit in Bereichen, in denen Europa hinterherhinke, könne die Wettbewerbsfähigkeit mindern. Als Beispiel nannte die Rede die Gefahr von „hollow champions“ im Chipsektor, bei denen Unternehmen zwar eigenständig produzieren, aber nicht mit globalen Standards mithalten könnten. Gleichzeitig könne ein reines Setzen auf Handelspartner langfristig riskant sein, weil vertrauenswürdige Beziehungen nicht garantiert beständig seien.
Geldpolitische Antwort der EZB
Aus Sicht der EZB sei die Vorbereitung auf ein volatileres Umfeld entscheidend. Das erweiterte EUREP‑Instrument biete nun dauerhaften Zugang zu Euro‑Liquidität für Zentralbanken außerhalb des Euroraums, die grundlegende Kriterien erfüllen. Die Erweiterung erhöhe den Umfang von regional zu global, ermögliche standardisierte Zugangsbedingungen und beschleunige die Bereitstellung von Liquidität.
Stärkung der Euro‑Stabilität
Durch das erweiterte Facility könne das Vertrauen in den Euro gestärkt werden, weil zentrale Banken weltweit wüssten, dass sie im Falle von Marktstörungen auf verlässliche Euro‑Liquidität zurückgreifen können. Dies unterstütze die Durchschlagskraft der Geldpolitik und trage zur allgemeinen finanziellen Stabilität bei.
Ausblick
Die Europäische Zentralbank betonte, dass Europa angesichts der zunehmenden Verknüpfung von Wirtschaft und Sicherheit eine stabile Quelle für globale Finanzmärkte bleiben müsse. Die vorgestellten Maßnahmen sollen sowohl die eigene Resilienz erhöhen als auch die Attraktivität des Euro für internationale Akteure sichern.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
