Forscher haben in einer experimentellen Studie gezeigt, dass das Vorlegen falscher akustischer Herzrückmeldungen vor schmerzhaften elektrischen Hautreizungen die Erwartung von Schmerz beeinflusst und sowohl die subjektive Schmerzbewertung als auch die physiologische Reaktion des Körpers moduliert.
Versuchsdesign und Vorgehen
In Experiment 1 erhielten die Teilnehmer entweder eine schnellere oder eine langsamere akustische Rückmeldung, die angeblich ihr eigenes Herzschlagtempo widerspiegelte, bevor ein standardisierter elektrischer Stromstoß verabreicht wurde. Die Rückmeldungen waren bewusst manipuliert, sodass das schnellere Signal eine höhere Schmerzvorhersage suggerieren sollte.
Erwartungseffekte auf die Schmerzbewertung
Die Autoren berichten, dass die schnellere Herzrückmeldung zu einer systematischen Verzerrung der Schmerzurteile führte: Identische Stromstöße wurden von den Teilnehmern als intensiver und unangenehmer eingeschätzt, wenn sie zuvor das schnelle Signal erhalten hatten.
Physiologische Begleitreaktionen
Parallel zu den veränderten Urteilen zeigte die Messung der Herzfrequenz eine deutliche Verlangsamung in der Erwartungsphase, ein Muster, das üblicherweise mit der orientierenden Herzreaktion auf bevorstehende bedrohliche Reize assoziiert wird.
Kontrollversuch mit exterozeptiver Rückmeldung
In einem zweiten Experiment ersetzten die Forscher die interozeptive Herzrückmeldung durch ein exterozeptives Audiosignal, das nicht mit dem eigenen Herzschlag korrelierte. Unter diesen Bedingungen waren sowohl die Schmerzverzerrungen als auch die Herzfrequenzveränderungen stark reduziert.
Interpretation im Rahmen interozeptiver Inferenz
Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass die Wahrnehmung des eigenen Herzschlags als interozeptive Vorhersage fungieren kann, die sowohl die sensorische Bewertung von Schmerz als auch die autonome Körperreaktion prägt.
Potenzielle Anwendungen und weitere Forschung
Die Studie legt nahe, dass gezielte Manipulationen interozeptiver Signale künftig zur Schmerzmodulation genutzt werden könnten, wobei weitere Untersuchungen erforderlich sind, um die Übertragbarkeit auf klinische Schmerzpatienten zu prüfen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von eLife, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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