Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat in einer Vorabanalyse festgestellt, dass die verheerenden Flutereignisse im Norden Nepals die Beschäftigung und Existenzgrundlagen von Arbeitern weit über das eigentliche Überschwemmungsgebiet hinaus stark beeinträchtigen.
Ausmaß der Katastrophe
Die Flut, ausgelöst durch einen Gletscherzusammenbruch an der Grenze zu China, hat mehr als 1.450 Menschen das Leben gekostet und 5.786 Personen werden weiterhin vermisst. Laut ILO leben rund 21.400 Beschäftigte im Umkreis von vier Kilometern des sogenannten „Flut-Fußabdrucks“, deren Arbeitsplätze durch zerstörte Infrastruktur blockiert wurden.
Betroffene Sektoren
Besonders stark betroffen sind Arbeiter im Tourismus, in der Landwirtschaft, im Transportwesen sowie Beschäftigte kleiner Unternehmen, darunter Führer, Träger, Hotel- und Gastronomiemitarbeiter sowie landwirtschaftliche Arbeitskräfte. Diese Gruppen sehen sich mit Einkommenseinbußen, unterbrochenen Arbeitsabläufen und erschwertem Zugang zu Kunden und Märkten konfrontiert.
Informelle Beschäftigung
In Nepal ist ein hoher Anteil der Beschäftigung informell, sodass viele Arbeiter nur über geringe Einkünfte und kaum sozialen Schutz verfügen. Tageslohnarbeiter, Gelegenheitsarbeiter und Selbstständige mit Mikrounternehmen sind besonders gefährdet, da sie kaum über finanzielle Rücklagen oder staatliche Unterstützung verfügen.
Störungen im Handel
Die Flut hat zudem die Nepal‑China-Handelskorridore stark beeinträchtigt. Die beiden wichtigsten Landwegverbindungen, Rasuwa und Tatopani, machten im vergangenen Jahr rund 22 % der Importe Nepals aus China aus. Der Schaden an der Rasuwa‑Route, die fast die Hälfte der Exporte nach China abwickelt, könnte die Beschäftigung nicht nur im Transport, sondern auch in Groß‑ und Einzelhandel, Bau, Fertigung und landwirtschaftlicher Verarbeitung beeinträchtigen.
Empfehlungen der ILO
Die ILO betont, dass ein schneller Wiederaufbau und gezielte Maßnahmen die Existenzgrundlagen schützen und gleichzeitig menschenwürdige Arbeitsplätze schaffen können. Vorgeschlagene Schritte umfassen sofortige Einkommensunterstützung für Haushalte und Unternehmen, eine beschäftigungsintensive Wiederaufbaumaßnahme sowie Programme zur Arbeitsvermittlung und Qualifikationsentwicklung.
Ausblick
Durch eine koordinierte Wiederherstellung der Infrastruktur und gezielte wirtschaftliche Hilfen könnte Nepal nicht nur die unmittelbaren Folgen der Flut abfedern, sondern langfristig die Resilienz des Arbeitsmarktes stärken und neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen.
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