Deutschland: Führerscheinreform im Verkehrsausschuss – Experten teilen sich
Kernpunkte der Reform
Am 5. Oktober 2026 fand im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages eine öffentliche Anhörung zum Gesetzentwurf zur Änderung des Fahrlehrergesetzes und weiterer straßenverkehrsrechtlicher Bestimmungen statt. Der Entwurf sieht vor, die Präsenzpflicht im Theorieunterricht abzuschaffen, digitale Lernangebote zu ermöglichen, das Bewertungssystem bei der Theorieprüfung zu vereinfachen und eine Experimentierklausel für Praxisstunden unter Anleitung nahestehender Personen einzuführen. Ziel ist die Senkung der Kosten für den Führerscheinerwerb sowie die Reduktion von Bürokratie.
Befürwortende Stimmen
Vertreter des ADAC betonten, dass die Flexibilisierung im Rahmen der EU‑Führerscheinrichtlinie die Kosten um bis zu ein Drittel senken und die Fahrpraxis vor der Prüfung erhöhen könne. Der Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sah in der Reform ein Mittel, dem akuten Mangel von etwa 120 000 Lkw‑Fahrern entgegenzuwirken, und forderte zudem eine stärkere Berücksichtigung der Klassen C und CE. Der Leiter der Abteilung Verhalten und Sicherheit im Verkehr beim Bundesanstalt für Straßen‑ und Verkehrswesen (BASt) bezeichnete das Vorhaben als „richtig guten Wurf“ und verwies auf Studien, die belegen, dass begleitendes Fahren die Sicherheit und Bestehensquoten verbessert.
Kritische Stimmen
Vertreter der Fahrschulbranche äußerten Bedenken, dass die Abschaffung der Präsenzpflicht und die Öffnung für Laienausbildung die Verkehrssicherheit gefährden könnten. Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände kritisierte, dass die professionelle Lehrkraft nur erhalten bleiben solle, wenn ein verbindlicher Präsenzanteil gesichert wird. Ähnlich warnte die Präsidentin der Deutschen Fahrlehrer‑Akademie vor einer Geringschätzung der pädagogischen Kompetenz und betonte die Notwendigkeit persönlicher Lernbegleitung.
Auswirkungen auf Kosten und Qualität
Vertreter der A&G Fahrschul‑Akademie lobten die Entbürokratisierung und die Modernisierung des Bewertungssystems, forderten jedoch eine erneute Prüfung der vollständigen Digitalisierung des Theorieunterrichts und der geplanten Laienausbildung. Der Vertreter des Auto Club Europa (ACE) sprach sich für die Modernisierung aus, betonte jedoch, dass die Bezahlbarkeit nicht auf Kosten der Ausbildungsqualität und der Sicherheit gehen dürfe. Ein einkommensabhängiges „Führerschein‑BAföG“ wurde als mögliche Maßnahme zur sozialen Ausgestaltung vorgeschlagen.
Weiterer Diskussionsbedarf
Die Anhörung zeigte ein breites Spektrum an Meinungen: Während einige Akteure die Reform als Chance für mehr Flexibilität und Kostensenkung sehen, warnen andere vor potenziellen Einbußen bei der Ausbildungsqualität und der Verkehrssicherheit. Die endgültige Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums wird davon abhängen, wie die genannten Bedenken in konkrete Regelungen übersetzt werden können.
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