Ein von Dr. Jakob Lesage initiierter Dokumentationsauftrag hat zwischen 2016 und März 2026 die Kam‑Sprache in 29 Dörfern des Bali Local Government Area im Bundesstaat Taraba, Nigeria, systematisch erfasst. Dabei arbeiteten 14 Mitglieder der Kam‑Gemeinschaft eng mit dem Forscher zusammen, um Grammatik, Wortschatz und mündliche Überlieferungen zu sichern.
Hintergrund der Sprache
Kam, auch als Nyingwom bezeichnet, wird von schätzungsweise 8.000–11.000 Menschen gesprochen. Vor 2016 fehlten schriftliche Literatur, Wörterbücher, standardisierte Orthografie und audiovisuelle Aufnahmen, sodass die Sprache kaum dokumentiert war.
Dezentrale Vorgehensweise
Der Ansatz beruhte auf einer dezentralen Feldarbeit, bei der die Gemeinschaft die Verantwortung für Aufnahme, Transkription und Übersetzung übernahm. Dr. Lesage fungierte dabei als unterstützender Fachberater, während die Gemeindemitglieder eigenständig Geräte bedienten und Inhalte auswählten, die sie für bewahrenswert hielten.
Ergebnisse des Projekts
Am Ende des Zehn‑Jahres‑Zyklus wurde ein Grammatikreferenzwerk, ein digitales Kam‑Wörterbuch, 307 Audio‑ und Videoaufnahmen sowie eine eigens eingerichtete Projekt‑Website veröffentlicht. Diese Materialien bilden ein umfangreiches Fundament für weitere linguistische Forschung und für die Nutzung durch die Kam‑Sprecher.
Bewältigte Herausforderungen
Die COVID‑19‑Pandemie verhinderte Reisen des Forschers nach Nigeria und machte deutlich, wie fragil externe Forschungsmodelle sein können. Durch Fernschulungen und den Versand von Aufnahmetechnik aus Deutschland konnten die Gemeindeteams jedoch eigenständig weiterarbeiten. Zusätzlich wurden Probleme mit der Internetanbindung durch Umleitungen über die Stadt Jalingo gelöst, und die fehlende Schriftsprache wurde durch ein auf Sprecherintuitionen basierendes Transkriptionssystem kompensiert.
Stimmen aus der Gemeinschaft
Babangida Audu, Koordinator der Sprachdokumentation, berichtete, dass er nach Rückkehr aus Abuja gemeinsam mit dem Forscher an Transkriptionen arbeitete und später ein Team von zwölf Personen aufbaute. Ein weiteres Mitglied, Garba Rahab Precious, betonte, dass das Projekt die Sprache für kommende Generationen bewahre.
Bedeutung und Ausblick
Obwohl Kam derzeit noch aktiv gesprochen wird, besteht Gefahr, dass Urbanisierung und wirtschaftliche Veränderungen die Nutzung der Sprache reduzieren. Die dokumentierten Materialien ermöglichen es der Gemeinschaft, die Sprache auch außerhalb traditioneller Kontexte zu erhalten und bieten Linguisten weltweit neue Einblicke in die Niger‑Kongo‑Familie.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
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