Heritabilität von filmbezogenen Hirnaktivitäten
Die Analyse ergab, dass die durch den Film ausgelösten Aktivierungsmuster im gesamten Cortex erblich sind. Dabei wurde die Ähnlichkeit der Aktivitätsprofile zwischen eineiigen Zwillingen deutlich höher bewertet als zwischen zweieiigen Zwillingen, was auf einen genetischen Einfluss schließen lässt. Die Heritabilität zeigte sich sowohl in primären Sinnesarealen als auch in höheren assoziativen Regionen.
Einfluss niedriger temporaler Frequenzen
Ein zentrales Ergebnis ist, dass die genetische Komponente besonders stark bei Informationen zum Ausdruck kommt, die in niedrigen temporalen Frequenzen kodiert sind. In assoziativen Cortexbereichen, die komplexe, lang‑zeitige Integrationen unterstützen, war die Vererbbarkeit besonders ausgeprägt. Das legt nahe, dass Gene vor allem stabile, langsame Verarbeitungsschritte steuern.
Genetische Aufspaltung: Wo vs. Wie
Mittels Hyperalignment, einer Methode zur räumlichen Normalisierung individueller Hirnaktivitäten, konnten die Forscher unterscheiden, inwieweit Gene die räumliche Lage (Wo) versus die Art der Verarbeitung (Wie) von sensorischen Informationen bestimmen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass beide Dimensionen genetisch beeinflusst sind, wobei die räumliche Organisation stärker vererbt wird.
Zusammenhang mit neuronalen Zeitskalen
Die Studie verband die Heritabilität von Aktivitätsmustern mit der Heritabilität einer sogenannten neuronalen Zeitskala – einem ein‑dimensionalen Maß für die lokale Schaltkreisdynamik. Teilweise erklärte die Vererbbarkeit der Zeitskala die beobachtete genetische Komponente der Film‑aktivität, was auf eine gemeinsame biologische Grundlage schließen lässt.
Erweiterung auf funktionelle Konnektivität
Über die Analyse von Aktivitätsmustern hinaus wurde die Vererbbarkeit von funktioneller Konnektivität während des Film‑Schauens untersucht. Auch hier zeigten sich signifikante genetische Einflüsse, wobei Muster von synchronisierten Aktivitäten zwischen entfernten Hirnregionen vererbbar waren.
Bedeutung und Ausblick
Die Befunde legen nahe, dass individuelle Sinneserfahrungen nicht nur durch Umwelteinflüsse, sondern auch durch genetische Faktoren geformt werden. Künftige Forschung könnte diese Erkenntnisse nutzen, um personalisierte Therapien für neurologische Erkrankungen zu entwickeln, die auf stabilen, genetisch bestimmten Aspekten der Gehirnfunktion aufbauen.Dieser Bericht basiert auf Informationen von eLife, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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