Eine aktuelle Untersuchung hat in einer Kohorte von 1444 jungen Erwachsenen im Alter von 25 bis 41 Jahren gezeigt, dass genetische Risikofaktoren zur Identifizierung von Personen mit ambulantem Tag‑Blutdruck‑Hypertonie beitragen können. Die Teilnehmenden stammen aus der GAPP‑Studie, wobei 12 % im Büro‑Blutdruck und 37 % im ambulanten Blutdruck als hypertensiv eingestuft wurden.
Hintergrund
Forscher prüften, inwiefern familiäre Vorbelastung und polygenetische Risikoscores (PRS) als Indikatoren für ambulante Tages‑Blutdruck‑Erhöhungen dienen. Die Korrelation zwischen beiden genetischen Maßzahlen war gering (R² = 4,96 × 10⁻³), was auf unterschiedliche Informationsgehalte hinweist.
Methodik
Die Analyse umfasste die Berechnung von PRS und die Erfassung von Familienanamnese, gefolgt von statistischen Modellen, die den Zusammenhang mit systolischem und diastolischem ambulantem Blutdruck quantifizierten. Zusätzlich wurde der zusätzliche Vorhersagewert beider Prädispositionsmaße gegenüber einem bereits validierten ambulanten Blutdruck‑Prognose‑Modell evaluiert.
Ergebnisse
Beide genetischen Messgrößen zeigten eine signifikante Assoziation mit ambulantem Blutdruck: pro Standardabweichung des PRS stieg der systolische Blutdruck um 2,2 mmHg (95 % KI 1,6‑2,7 mmHg), und ein positiver Familien‑Hintergrund war mit einem Anstieg von 2,4 mmHg (95 % KI 1,3‑3,4 mmHg) verbunden.
Prädiktive Bewertung
Der PRS reduzierte das Akaike‑Informationskriterium des Basismodells um 33 Punkte (ΔAIC = −33), während die Familien‑Anamnese das Kriterium kaum veränderte (ΔAIC = 1). Im Vergleich des Basismodells mit dem PRS‑integrierten Modell stieg das positive Likelihood‑Verhältnis von 6,87 (95 % KI 5,56‑8,49) auf 7,69 (95 % KI 6,18‑9,57) und das negative Likelihood‑Verhältnis verringerte sich von 0,45 (95 % KI 0,39‑0,51) auf 0,43 (95 % KI 0,37‑0,49).
Implikationen
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass PRS im weißen europäischen Sample aus Liechtenstein zusätzliche, wenn auch moderate, Informationen zur Identifikation von ambulantem Hypertonie‑Risiko liefert, wohingegen die reine Familien‑Anamnese keinen messbaren Mehrwert bietet.
Einschränkungen
Die Untersuchung beschränkt sich auf eine homogene Population, was die Übertragbarkeit der Befunde auf andere ethnische Gruppen einschränken könnte. Zudem bleibt die klinische Anwendbarkeit des PRS‑Modells aufgrund des begrenzten Vorhersagegewinns zu prüfen.
Fazit
Polygenetische Risikoscores können die Vorhersage von ambulantem Tages‑Blutdruck‑Hypertonie leicht verbessern, doch der Nutzen bleibt moderat und erfordert weitere Validierung, bevor sie routinemäßig im klinischen Alltag eingesetzt werden können.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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