USA: Studie zu geschlechtsspezifischen Krankheitsverläufen bei Typ‑2‑Diabetes
Eine Kohortenanalyse aus dem Vereinigten Königreich hat die Entwicklung von Begleiterkrankungen bei 28.720 Personen mit neu diagnostiziertem Typ‑2‑Diabetes (T2D) untersucht. Die Untersuchung erstreckte sich über den Zeitraum von 2010 bis 2020 und verfolgte die Teilnehmenden durchschnittlich 6,8 Jahre.
Datengrundlage und Analyseverfahren
Die Forschenden nutzten anonymisierte, verknüpfte Daten aus dem Primary‑Care‑Register CPRD GOLD sowie aus sekundären Versorgungsdaten. Zur Bewertung der Übergänge zwischen Gesundheitszuständen wurde ein kompetitiver Risiko‑Semi‑Markov‑Mehrzustandsmodell eingesetzt, das geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigt.
Zusammensetzung der Kohorte
Von den eingeschlossenen Patienten waren 62 % Männer. Das mittlere Alter bei Diabetes‑Diagnose betrug bei Männern 54 Jahre (IQR 46–64) und bei Frauen durchschnittlich 56 Jahre (IQR 45–67). Während des Beobachtungszeitraums wechselte 39 % der Teilnehmenden in einen weiteren Krankheitszustand.
Geschlechtsspezifische Muster bei psychischen Erkrankungen
Frauen entwickelten nach T2D‑Diagnose häufiger psychische Störungen (8,1 % gegenüber 5,3 % bei Männern). Die Autoren weisen darauf hin, dass diese Differenz teilweise durch unterschiedliches Suchverhalten im Gesundheitssystem bedingt sein könnte.
Kardiovaskuläre und renale Komplikationen
Männer wiesen eine höhere Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen und terminaler Nierenerkrankung (8,4 % gegenüber 5,3 % bei Frauen) sowie von Hypertonie (21,1 % gegenüber 20,2 %) auf. Hypertonie war insgesamt das häufigste Ereignis nach Diabetes‑Diagnose, unabhängig vom Geschlecht.
Versorgungsintensität und Mortalität
Frauen nutzten im Schnitt mehr Gesundheitsleistungen und erhielten längerfristig mehr Verschreibungen als Männer. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen führte die Kombination von T2D mit einer psychischen Erkrankung zu einer vorzeitigen Sterblichkeit im Vergleich zu anderen Krankheitsverläufen.
Einschränkungen und Schlussfolgerungen
Die Studie betont, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in den Krankheitsverläufen eine differenzierte Prävention und Therapie erfordern. Aktuelle britische Leitlinien berücksichtigen keine geschlechtsspezifischen Strategien, insbesondere nicht für psychische Begleiterkrankungen. Die Autoren empfehlen, zukünftige Versorgungsmodelle stärker nach Geschlecht, Alter und dem Zusammenspiel physischer und psychischer Gesundheit auszurichten.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
Ende der Uebertragung