International: Gewalt gegen queere Personen in Bangladesch nach dem Aufstand
Am 3. April 2026 wurden acht Transpersonen und Hijra‑Frauen im Stadtteil Shahbag, Dhaka, von einer Gruppe, die sich als „mobile journalism“ bezeichnete, belästigt, gefilmt und sexuell bedrängt. Nachdem sie protestiert hatten, wurden sie von der Gruppe am Verlassen gehindert, anschlieĂźend verhaftet und fĂĽr zwei Tage ohne Anwalt festgehalten. Die Polizei nahm aktiv an den Ăśbergriffen teil und setzte die Betroffenen unter Druck, GeldbuĂźen zu zahlen und Dokumente zu unterschreiben, um freigelassen zu werden.
Erweiterter Angriff am 10. April
Eine Woche später, am Abend des 10. April, griff ein größerer Mob unter dem Banner der „Azadi Movement“ erneut Personen im selben Gebiet an. Die Täter bezeichneten die Opfer öffentlich als „homosexuell“ und „transgender“, schlugen Lehrer, BĂĽrger und Journalistinnen, und verĂĽbten sexuelle Ăśbergriffe auf Frauen. Ein von 387 BĂĽrgern – darunter Akademiker, Journalist, Arzt und Aktivist – unterzeichnetes Statement verurteilte die Angriffe und nannte die „Azadi Movement“ sowie die konservative Partei Bangladesh Khilafat Majlis als Verantwortliche. Die regierende Bangladesh Nationalist Party (BNP) reagierte nicht.
Politische Neuordnung nach dem Aufstand
Der Aufstand im August 2024 beendete die 15‑jährige Herrschaft der Awami League und führte zu einer Übergangsregierung, die von Studenten angeführt wurde. Viele queere Aktivist hofften auf Schutz, doch bereits wenige Tage nach Regierungsbildung veröffentlichten die neuen Führungsmitglieder anti‑queere Beiträge in sozialen Medien. Islamistengruppen nutzten die politische Lücke, um Angriffe auf queere Personen zu intensivieren, etwa in Chak‑Andharia (September 2024) und Cox’s Bazar (September 2024).
Ausgrenzung innerhalb der neuen Partei
Nach dem Aufstand half Muntasir Rahman, ein offenes schwules Mitglied, anderen Aktivisten, sichere Unterkünfte zu organisieren. Später wurde er zum Joint Member Secretary der neu gegründeten National Citizen Party (NCP) ernannt, doch sein Name wurde sofort online veröffentlicht und er verlor das Amt. Die Parteiführung erklärte, dass keine queere Person in der Partei tätig sei. Rahmans Name erschien anschließend unter den 387 Unterzeichnern des Statements gegen die Shahbag‑Angriffe, ohne dass er dafür Unterstützung erhielt.
Suizid eines Studenten
Am 10. Juni 2025 beging Shakil Ahmed, ein Student der Fakultät fĂĽr Bildende Kunst der Universität Dhaka, Selbstmord, nachdem er monatelang Ziel von Hasskampagnen war. Ein gelöschter Facebook‑Kommentar wurde von einem Kommilitonen screenshot‑artig verbreitet, als blasphemisch bezeichnet und mit einem öffentlichen „Shariah‑Prozess“ bedroht. Die Behörden klassifizierten den Tod als „unnatĂĽrlichen Tod“ und leiteten keine Untersuchung wegen möglicher Anstiftung ein.
Staatliche Untätigkeit
Aktivisten berichten, dass Anfragen an die Interimsregierung zur Einbindung queerer Stimmen in die noch ausstehende Transgender‑Person‑Rights‑ und Protection‑Bill‑2023 ignoriert wurden. Die Women’s Affairs Reform Commission veröffentlichte einen Bericht ohne Hinweis auf queere Belange, was von der Community als klares Signal der staatlichen Gleichgültigkeit gewertet wird.
RĂĽckzug der NGOs
Internationale Nichtregierungsorganisationen reduzieren ihre öffentliche Präsenz im Land, weil sie befürchten, von der Regierung sanktioniert zu werden. Mehrere Aktivisten berichteten, dass Projektpartner die queere Komponente ihrer Programme schrittweise aus den Verträgen entfernten. Die betroffenen Organisationen blieben bestehen, jedoch ohne sichtbare Programme für queere Personen.
Finanzielle Krise
Im Jahr 2023 startete USAID das SHOMOTA‑Projekt, das bis 2028 rund 8.700 queere Menschen in acht Städten unterstützen sollte. Nachdem die US‑Regierung im Januar 2025 die Auslandsförderung aussetzte, wurde das Projekt eingestellt. Die Noboprobhaat Foundation in Rangpur musste die Hälfte ihrer Mitarbeitenden entlassen und plante, 70 % ihrer Aktivitäten bis Ende 2025 einzustellen. Der Global Philanthropy Project schätzt, dass seitdem mindestens 105 Millionen USD an internationalen Spenden für queere Initiativen in Bangladesch ausblieben.
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