UN: Gewalt im Westjordanland auf Allzeithoch
Im Westjordanland hat die Gewalt zwischen israelischen Siedlern und palästinensischen Bewohnern ein neues Rekordniveau erreicht. Die Vereinten Nationen haben am 29. Juli 2026 die Situation als stark besorgniserregend eingestuft.
Opferzahlen und jüngste Vorfälle
Nach Angaben des Amt für Menschenrechte (OHCHR) sind seit Jahresbeginn bis zum 24. Juli 76 Palästinenser und ein Israeli bei Angriffen von Siedlern ums Leben gekommen. Seit dem vergangenen Freitag wurden zusätzlich acht Palästinenser, darunter ein Junge, sowie zwei Mitglieder der israelischen Armee getötet.
Entwicklung der Angriffe
Die Zahl der Angriffe von Siedlern ist seit 2023 jährlich gestiegen. Im Jahr 2025 wurden 1.835 Angriffe registriert. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 wurden durchschnittlich rund 190 Angriffe pro Monat verzeichnet, sodass das Westjordanland auf einem Kurs liegt, der bis Jahresende mehr als 2.000 Angriffe erwarten lässt.
Rolle der israelischen Regierung
Der OHCHR-Bericht weist darauf hin, dass israelische Sicherheitskräfte häufig gemeinsam mit Siedlern Familien angreifen, Moscheen niederbrennen, Eigentum zerstören und beschlagnahmen. Finanzielle Anreize der Regierung für Siedlungen werden dabei als Verstärker der Gewalt genannt.
Stellungnahmen der UN-Vertreter
„Wir sind alarmiert über die Ankündigung der israelischen Regierung, die Zahl der Siedlungen und Außenposten weiter zu erhöhen, sowie über Aufrufe zu Vergeltung und kollektiver Bestrafung“, erklärte die Sprecherin des OHCHR, Ravina Shamdasani. Sie forderte die internationale Gemeinschaft auf, gemeinsam Maßnahmen zu ergreifen, um die anhaltenden Tötungen und Enteignungen zu stoppen.
Ramiz Alakbarov, stellvertretender Sonderkoordinator der Vereinten Nationen für den Nahost-Friedensprozess, bezeichnete die anhaltende Gewalt als „tief beunruhigend“ und forderte Israel auf, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und alle Akteure zur Verfolgung einer Zwei‑Staaten‑Lösung zu bewegen.
Rechtlicher Kontext
Die internationale Gemeinschaft erinnert an das beratende Gutachten des Internationalen Gerichtshofs, das die Besetzung von Gaza, Ost‑Jerusalem und dem Westjordanland seit 1967 als völkerrechtswidrig eingestuft hat. Israel hat das Urteil scharf kritisiert.
Zwischenfall in Ost‑Jerusalem
Am Montag drangen israelische Truppen gewaltsam in eine UN‑Einrichtung in Ost‑Jerusalem ein, in der jährlich Hunderte palästinensischer Flüchtlinge eine kostenlose berufliche Ausbildung erhalten. Die Vereinten Nationen und ihre Partner bezeichneten den Vorfall als Verstoß gegen das Völkerrecht.
Aufruf zum Ende der Besetzung
Shamdasani wiederholte den Aufruf der Vereinten Nationen, dass alle Staaten gemeinsam handeln müssen, um die Besetzung des Westjordanlands zu beenden und die Rechte der palästinensischen Bevölkerung zu schützen.
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