Globale Schätzung der lebensfähigen Tuberkulose-Infektionen im Jahr 2022
Im Jahr 2022 wurden laut einer neuen Studie rund 133,7 Millionen Menschen mit einer kürzlich erworbenen Tuberkulose-Infektion identifiziert, was 1,7 % der Weltbevölkerung entspricht. Insgesamt wird geschätzt, dass 288,9 Millionen Menschen – 3,7 % der globalen Bevölkerung – eine lebensfähige Mycobacterium‑tuberculosis‑Infektion tragen.
Methodik
Die Autoren erstellten länderspezifische Trends des jährlichen Infektionsrisikos, indem sie Schätzungen zur Tuberkulosebelastung, zur Immunreaktionsreversion und zu altersabhängigen Kontaktmustern kombinierten. Auf dieser Basis wurde ein deterministisches mathematisches Modell eingesetzt, das sowohl Reinfection als auch Selbstclearance berücksichtigt, um aktuelle und jüngste Infektionen zu quantifizieren.
Ergebnisse: Gesamtzahl
Die Modellrechnung ergab für das Jahr 2022 eine Gesamtzahl von 288,9 Millionen Personen mit einer lebensfähigen Tuberkulose‑Infektion (95 %‑Unsicherheitsintervall: 242,2 – 342,7 Millionen). Davon waren 133,7 Millionen Personen in den letzten zwei Jahren infiziert worden (95 %‑UI: 104,0 – 171,1 Millionen).
Regionale Verteilung
Der größte Teil der jüngsten Infektionen wurde in den WHO‑Regionen Südostasien (49,0 %; 95 %‑UI: 37,2 – 62,4 %), dem Westpazifik (19,7 %; 95 %‑UI: 12,6 – 30,5 %) und Afrika (17,9 %; 95 %‑UI: 12,9 – 24,1 %) verzeichnet.
Länderspezifische Belastung
Indien, Indonesien und China wiesen die höchsten absoluten Zahlen auf: 39,1 Millionen Menschen in Indien (95 %‑UI: 18,0 – 73,6 Millionen), 12,0 Millionen in Indonesien (95 %‑UI: 5,8 – 22,9 Millionen) und 11,2 Millionen in China (95 %‑UI: 5,0 – 25,5 Millionen) waren kürzlich infiziert.
Sensitivitätsanalysen
Variationen der Annahmen zur Selbstclearance führten zu erheblichen Änderungen der geschätzten Gesamtbelastung, insbesondere bei niedrigeren Selbstclearance‑Raten, was die Unsicherheit der Modellparameter unterstreicht.
Schlussfolgerungen
Die Studie liefert erste globale Schätzungen zur Anzahl lebensfähiger Tuberkulose‑Infektionen und verdeutlicht das Ausmaß einer kürzlich infizierten Bevölkerung, die ein erhöhtes Risiko für die Krankheitsentwicklung trägt. Die Autoren betonen die Dringlichkeit, diagnostische Werkzeuge zu entwickeln, die lebensfähige Infektionen zuverlässig nachweisen, um gezielte Präventivtherapien zu ermöglichen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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