Eine aktuelle intracerebrale Untersuchung mit 140 Probanden und über 11.000 Aufzeichnungssites hat die räumliche und zeitliche Dynamik von Gesichtsverarbeitung im ventralen occipito‑temporalen Kortex (VOTC) analysiert. Die Messungen konzentrierten sich auf hochfrequente Breitbandaktivität (30–160 Hz) als Indikator für kategoriale Selektivität gegenüber natürlichen Gesichtern.
Methodik und Stichprobe
Forscher setzten elektrophysiologische Intrakranialaufnahmen ein, um neuronale Signale präzise zu erfassen. Die Probandengruppe umfasste 140 erwachsene Personen, bei denen insgesamt mehr als 11.000 Messpunkte im VOTC platziert wurden. Die Stimuli bestanden aus natürlichen Bilddarstellungen von Gesichtern, die in allen relevanten VOTC‑Regionen präsentiert wurden.
Verteilung der Gesichts‑selektiven Aktivität
Die Ergebnisse zeigten, dass die Gesichts‑selektive Hochfrequenzaktivität über das gesamte VOTC verteilt war, wobei ein deutlicher Rechtshemisphärischer Schwerpunkt erkennbar war. Regionale Aktivitätshöhen variierten, jedoch war kein einzelner Bereich ausschließlich verantwortlich für die Erkennung.
Zeitlicher Verlauf der neuronalen Antwort
Entgegen der Annahme einer schrittweisen Verzögerung entlang der postero‑anterioren Achse begann die Aktivität in allen untersuchten VOTC‑Regionen nahezu gleichzeitig, mit einem Beginn bei etwa 100 ms nach Stimuluspräsentation und einem Ende bei rund 450 ms.
Implikationen für hierarchische Modelle
Die gleichzeitige Aktivierung widerspricht dem klassischen hierarchischen Modell, das eine progressive Zunahme der Invarianz und Verzögerung von posterior nach anterior postuliert. Stattdessen unterstützen die Befunde Modelle, die eine parallele Verarbeitung oder vernetzte Dynamik im Assoziationskortex annehmen.
Ausblick und weitere Forschung
Die Studie legt nahe, dass zukünftige Theorien der visuellen Objekterkennung die simultane Beteiligung mehrerer VOTC‑Regionen berücksichtigen müssen. Weitere Untersuchungen könnten unterschiedliche Objektkategorien und variierende Aufmerksamkeitsbedingungen einbeziehen, um die Generalisierbarkeit der Ergebnisse zu prüfen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von eLife, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
Ende der Uebertragung