Roma in der ukrainischen Armee
Seit dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 haben sich mehrere hundert Roma den Streitkräften der Ukraine angeschlossen, obwohl sie weiterhin Diskriminierung ausgesetzt sind. Der Aktivist Myroslav Horvat berichtete, dass im Jahr 2022 etwa 250 Roma aus Zakarpattia in die Verteidigungstruppen eingetreten seien und bis August 2024 die Zahl auf über 500 angestiegen sei. Horvat betont, dass viele Roma die Verteidigung der Ukraine als Schutz ihrer Familien und Zukunft ansehen.
Diskriminierung von Roma‑Flüchtlingen
Nach der Flucht aus den Kriegsgebieten berichten Menschenrechtsorganisationen von ungleicher Behandlung der Roma in europäischen Aufnahmeeinrichtungen. In Moldau wurden Familien in Unterkünften ohne Heizung untergebracht, in der Tschechischen Republik schliefen Roma an Bahnhöfen unter prekären Bedingungen, und in Ungarn wurden einige Familien wiederholt an der Einreise gehindert. Solche Erfahrungen haben dazu geführt, dass manche Roma‑Familien trotz Gefahr zurück in die Ukraine kehren.
Historischer Kontext der Roma in der Ukraine
Vor dem Krieg lebten schätzungsweise 400 000 Roma in der Ukraine, von denen rund 30 000 keine offiziellen Ausweisdokumente besaßen und damit faktisch staatenlos waren. Die Gemeinschaft sah sich bereits vor 2022 mit Hindernissen in den Bereichen Staatsbürgerschaft, Wohnen, Bildung, Gesundheitsversorgung und Beschäftigung konfrontiert. Laut Horvat fehlt etwa 40 % der Roma in Zakarpattia eine abgeschlossene Sekundarschulbildung, was die Mobilisierung erschwert, jedoch nicht verhindert.
Tataren und das fehlende Territorium
Die Tataren, die zweitgrößte ethnische Gruppe der Russischen Föderation, besitzen kein einheitliches Territorium, das sie als Heimat bezeichnen könnten. Die Republik Tatarstan gilt als kulturelles Zentrum, doch dort stellen Tataren nur etwa die Hälfte der Bevölkerung. Millionen Tataren leben über ganz Russland, in benachbarten Republiken, in Europa, der Türkei, Nordamerika und anderen Regionen, wodurch ihre Identität über Grenzen hinweg existiert.
Kulturelle Verankerung in Tatarstan
Für viele Tataren ist die Zugehörigkeit stärker mit Sprache, Musik, traditionellen Festen wie Sabantuy und familiären Ritualen verbunden als mit geografischen Grenzen. Institutionen in Tatarstan erhalten die Sprache und Literatur, während im Alltag die Kultur die Gemeinschaften zusammenhält, unabhängig vom Aufenthaltsort.
Erinnerungen an Deportationen und heutige Debatten
Die kollektive Erinnerung an die Deportation der Krimtataren im Jahr 1944 prägt aktuelle Diskussionen über Souveränität und Separatismus. Einige Kommentatoren fordern die Unabhängigkeit der Föderationsrepubliken im Falle eines Zerfalls Russlands, doch diese Position spiegelt nicht zwingend die Meinung der breiten Tatarbevölkerung wider, wie verschiedene Tatar‑Aktivisten betonen.
Ausblick auf die Neudefinition von Heimat
Die Schilderungen von Roma‑Soldaten und tataren Gemeinschaften verdeutlichen, dass das Konzept von Heimat für staatenlose oder verstreute Gruppen zunehmend kulturell und sozial definiert wird. Diese Entwicklungen fordern traditionelle Vorstellungen von Nation und Staatsbürgerschaft heraus und zeigen, wie marginalisierte Gruppen ihre Identität neu verhandeln.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
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