Eine Beobachtungsstudie an zwei öffentlichen Lehrkrankenhäusern im Süden Brasiliens hat zwischen August 2020 und Februar 2022 die Häufigkeit und Determinanten perioperativer respiratorischer Nebenwirkungen bei Patienten unter 16 Jahren ermittelt. Ziel war es, ein Vorhersagemodell zu entwickeln, das klinische Entscheidungen am Bett unterstützt.
Studiendesign und Population
Es wurden 1339 Kinder, die elektive oder nicht‑elektive Eingriffe erhielten, prospectiv während Operation und Aufwachphase beobachtet. Vor dem Eingriff wurden Daten durch Befragungen der Eltern oder gesetzlichen Vertreter erhoben und anschließend multivariate logistische Regressionsanalysen durchgeführt.
Häufigkeit der respiratorischen Ereignisse
Insgesamt erlitten 214 Patienten (15,9 %) perioperative respiratorische Nebenwirkungen. Die häufigste Komplikation war Desaturation bei 111 Kindern (8,3 %), gefolgt von Laryngospasmus bei 84 Kindern (6,3 %).
Identifizierte Risikofaktoren
Das finale Modell zeigte, dass ein Alter unter einem Jahr, aktuelle obere Atemwegsinfektionen, Vorgeschichte von Frühgeburt, bestehende Lungen‑ oder Atemwegserkrankungen sowie die Wechselwirkung zwischen Trachealintubation und Atemwegschirurgie signifikante Prädiktoren waren.
Entwicklung und Bewertung des Vorhersagemodells
Das entwickelte Vorhersagemodell erreichte eine gute Diskriminierung mit einer AUROC von 0,71 (95 %‑KI 0,68‑0,75). Im Vergleich zum bestehenden COLDS‑Score für Patienten unter sechs Jahren zeigte das neue Modell eine überlegene Genauigkeit (AUROC 0,69 vs. 0,62; p = 0,004).
Bedeutung fĂĽr die klinische Praxis
Die hohe Inzidenz von respiratorischen Komplikationen unterstreicht die Notwendigkeit, präoperative Risikofaktoren systematisch zu erfassen. Das Modell kann helfen, Hochrisikopatienten frühzeitig zu identifizieren und geeignete prophylaktische Maßnahmen zu planen.
Ausblick und Forschungsempfehlungen
Weitere Studien sollten das Modell in unterschiedlichen Gesundheitssystemen validieren, gezielte Interventionsstrategien testen und die klinische Wirksamkeit im Hinblick auf die Reduktion von Komplikationen evaluieren.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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