Studienrahmen
Eine retrospektive Analyse von Blutkulturdaten des Amhara Public Health Institute wurde für den Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 30. Dezember 2023 durchgeführt. Insgesamt wurden 676 Patienten mit Verdacht auf Blutstrominfektion untersucht, von denen bei 340 Patienten (50,3 %) ein echter bakterieller Erreger nachgewiesen werden konnte. Die hohe Positivrate verdeutlicht die Belastung des Gesundheitssystems in einer ressourcenarmen Region.
Methodik
Die Blutproben wurden nach den WHO‑Richtlinien mittels standardisierter manueller Kulturverfahren verarbeitet. Die antimikrobielle Empfindlichkeit wurde mit der Kirby‑Bauer‑Diskdiffusionsmethode gemäß den CLSI‑Leitlinien ermittelt. Für die statistische Auswertung kamen SPSS Version 20 zum Einsatz; deskriptive Statistiken und Regressionsmodelle wurden verwendet, wobei ein p‑Wert < 0,05 als signifikant galt.
Erregerverteilung
Unter den nachgewiesenen Erregern dominierten gramnegative Bakterien mit 61,2 % (N = 208) gegenüber grampositiven Bakterien mit 38,8 % (N = 132). Die Gruppe der ESKAPEE‑Pathogene machte 96,5 % (N = 328) aller Isolate aus, angeführt von Klebsiella‑Arten (25,9 %, N = 88), Enterococcus‑Arten (20,9 %, N = 71) und Staphylococcus aureus (15,6 %, N = 53).
Resistenz bei grampositiven Erregern
Grampositive Isolate wiesen hohe Resistenzraten gegenüber Oxacillin (74,5 %, N = 41), Penicillin (72,0 %, N = 36) und Vancomycin (51,1 %, N = 24) auf. Diese Werte verdeutlichen die eingeschränkte Wirksamkeit gängiger Erstlinientherapien gegen grampositive Erreger in der untersuchten Region.
Resistenz bei gramnegativen Erregern
Bei gramnegativen Isolaten wurden kritische Resistenzraten gegenüber den nationalen Leitmedikamenten festgestellt: Ampicillin (100 %, N = 24), Ceftriaxon (92,4 %, N = 157) und Trimethoprim‑Sulfamethoxazol (89,4 %, N = 126). Die nahezu vollständige Resistenz gegen Ampicillin unterstreicht die Notwendigkeit alternativer Therapieoptionen.
Multiresistenzprofile
Insgesamt wurden multiresistente (MDR) Isolate in 43,8 % (N = 149), extensiv resistente (XDR) in 30,5 % (N = 104) und pandrug‑resistente (PDR) in 5,3 % (N = 18) der Fälle nachgewiesen. Diese Verteilung war bei den ESKAPEE‑Stämmen besonders ausgeprägt und weist auf ein ernsthaftes Risiko für die klinische Behandlung hin.
Risikofaktoren
Die Analyse ergab, dass das Geschlecht und das Alter die einzigen unabhängigen Prädiktoren für eine positive Kultur
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