Studienaufbau und Methodik
Eine institutionelle Querschnittsstudie wurde im Nord‑Shoa‑Bezirk des Amhara‑Regionstaates, Äthiopien, durchgeführt. Forscher nutzten die Nordic Musculoskeletal Disorder Scale, um das Auftreten von arbeitsbedingten Muskel‑ und Skeletterkrankungen (WRMSD) in neun Körperregionen zu erfassen. Die Analyse erfolgte mittels schrittweiser Rückwärtselimination in einem logistischen Regressionsmodell, wobei ein Signifikanzniveau von p < 0,05 zugrunde gelegt wurde.
Ergebnisse zur Prävalenz
Insgesamt nahmen 473 Hebammen an der Erhebung teil, davon 252 (53,3 %) weiblich und 221 (46,7 %) männlich. In den letzten zwölf Monaten berichteten 355 Personen (75,05 %, 95 % CI: 71,15 % – 78,95 %) von mindestens einer WRMSD. Damit liegt die Prävalenz deutlich über dem in vielen anderen Berufsgruppen beobachteten Niveau.
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
Von den Betroffenen gaben 162 Hebammen (45 %) an, dass sie während einer Erkrankungsphase ihre täglichen Aufgaben nicht ausführen konnten. Darüber hinaus suchten 96 Personen (27 %) medizinische Behandlung für ihre Beschwerden, was auf eine spürbare Belastung des Gesundheitssystems hinweist.
Häufig betroffene Körperregionen
Der untere Rücken war mit 300 betroffenen Hebammen (63,4 %, 95 % CI: 59 % – 68 %) die am stärksten beanspruchte Region. Auch der obere Rücken, der Nacken und die Gliedmaßen zeigten erhöhte Inzidenzraten, wobei die genauen Prozentsätze im Detailbericht angegeben sind.
Identifizierte Risikofaktoren
Arbeiten in unbequemen oder ungünstigen Körperhaltungen war signifikant mit dem Auftreten von WRMSD assoziiert (adjustiertes Odds Ratio = 1,81, 95 % CI: 1,15 – 2,87). Weitere Faktoren, die in den Analysen mit regionalspezifischen WRMSD in Verbindung gebracht wurden, umfassen das Verweilen in einer Position über längere Zeit, das tägliche Betreuen von Kunden (hier: Gebärenden) und das Heben schwerer Lasten.
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Die Studie zeigt, dass arbeitsbedingte Muskel‑ und Skeletterkrankungen bei Hebammen im untersuchten Gebiet weit verbreitet sind und die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränken können. Die Autoren empfehlen gezielte Schulungen zu ergonomischen Arbeitsweisen sowie Maßnahmen zur Reduktion der körperlichen Belastung, um die Gesundheit der Fachkräfte zu schützen.Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
