Eine aktuelle Querschnittsstudie an einem ghanaischen Krankenhaus hat die Häufigkeit von Hypertonie bei erwachsenen HIV‑Patienten untersucht, die seit mindestens sechs Monaten antiretrovirale Therapie erhalten. Insgesamt wurden 440 Patienten im Alter von 18 Jahren und älter eingeschlossen.
Studienaufbau und erhobene Variablen
Die Forschenden maßen den Blutdruck und erfragten Daten zu Alkoholkonsum, Art der antiretroviralen Medikation, Dauer der Therapie, Rauchverhalten, Bildungsniveau sowie körperlicher Aktivität. Zusätzlich wurden Muskelmasse und Body‑Mass‑Index ermittelt, um den Zusammenhang mit Hypertonie zu analysieren.
Prävalenz von Hypertonie
Die Analyse ergab, dass 33 % der untersuchten HIV‑Patienten an Hypertonie litten. Dieser Wert liegt deutlich über den nationalen Durchschnittswerten für die Gesamtbevölkerung.
Einfluss der ART‑Linie
Patienten, die eine Zweitlinien‑ART einnahmen, wiesen ein signifikant geringeres Risiko für Hypertonie auf (Odds Ratio = 0,379; 95 %‑Konfidenzintervall = 0,169–0,846; p = 0,018) im Vergleich zu Patienten mit Erstlinien‑Therapie.
Rolle der Muskelmasse
Im Vergleich zu Patienten mit niedriger Muskelmasse zeigte sich bei hoher Muskelmasse ein stark reduziertes Risiko (OR = 0,177; 95 %‑KI = 0,064–0,487; p < 0,01) und bei sehr hoher Muskelmasse ebenfalls ein geringeres Risiko (OR = 0,220; 95 %‑KI = 0,051–0,943; p = 0,041).
Auswirkungen von Adipositas und Ernährungsdiversität
Patienten mit Adipositas hatten ein etwa vierfach erhöhtes Risiko für Hypertonie im Vergleich zu untergewichtigen Patienten (OR = 4,046; 95 %‑KI = 1,018–16,083; p = 0,047). Zudem war ein mittlerer (OR = 1,968; 95 %‑KI = 1,150–3,369; p = 0,014) bzw. hoher Index der diätetischen Diversität (IDDS) mit einem etwa zweifachen Risiko verbunden (OR = 2,348; 95 %‑KI = 1,078–5,115; p = 0,032).
Schlussfolgerungen und Ausblick
Die Studie dokumentiert eine hohe Prävalenz von Hypertonie bei HIV‑Patienten in Ghana und identifiziert Zweitlinien‑ART sowie höhere Muskelmasse als potenziell schützende Faktoren. Gleichzeitig erhöhen Adipositas und ein hoher IDDS das Risiko. Die Autoren empfehlen weiterführende Forschung, um die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Muskelmasse und Blutdruck in dieser Patientengruppe genauer zu beleuchten.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
