USA: Hohe Prävalenz von Zufallsbefunden und handlungsrelevanten Befunden in CBCT-Scans zur Implantatplanung
In einer retrospektiven Beobachtungsstudie wurden 368 Cone‑Beam‑CT‑Scans, die für die Planung von Zahnimplantaten erstellt wurden, systematisch auf zufällige (IF) und handlungsrelevante Befunde (AF) untersucht. Insgesamt wiesen 69,8 % der Patienten zufällige Befunde auf, während 54,1 % der Scans mindestens einen handlungsrelevanten Befund enthielten.
Studienaufbau und Bewertungsprotokoll
Die Untersuchung umfasste alle aufeinanderfolgenden CBCT‑Scans, die in einem zahnärztlichen Zentrum für Implantatplanung erhoben wurden. Ein zonenbasiertes Bewertungsprotokoll gliederte die anatomischen Strukturen in vier Bereiche: (1) Schädel und Nasennebenhöhlen, (2) Jochbogen‑/Orbitakomplex inklusive Kiefergelenk, (3) Ober‑ und Unterkieferregion, (4) Strukturen unterhalb des Unterkiefers. Zufällige Befunde wurden definiert als Befunde, die nicht mit dem geplanten Implantationsort zusammenhingen; handlungsrelevante Befunde wurden nach den Empfehlungen eines oral‑und‑maxillofazialen Radiologen klassifiziert.
Verteilung nach Alter und Geschlecht
Die Prävalenz zufälliger Befunde stieg mit dem Alter an: von 50 % bei Patienten ≤ 40 Jahren auf 78,8 % bei Patienten > 70 Jahren. Männer wiesen eine höhere Rate zufälliger Befunde auf (76,2 % vs. 64,5 % bei Frauen; p = 0,01). In der multivariaten Analyse zeigten Patienten > 70 Jahren ein erhöhtes Risiko für handlungsrelevante Befunde, obwohl das Gesamtmodell nicht statistisch signifikant war. Geschlecht war in univariaten Analysen nicht mit handlungsrelevanten Befunden assoziiert (p = 0,97).
Einfluss des Untersuchungsfeldes (FOV)
Mittlere Sichtfeld‑Scans (FOV) enthielten die meisten zufälligen Befunde (72,2 %). Die Häufigkeit handlungsrelevanter Befunde variierte nicht signifikant mit dem Sichtfeld (p = 0,94). Damit lässt sich kein klarer Zusammenhang zwischen technischer Scan‑Parameter und klinisch relevanten Befunden nachweisen.
Häufigste anatomische Befunde
Die am häufigsten identifizierten Befunde betrafen die Kieferhöhle (35,1 %), die Halswirbelsäule (27,4 %), die Tonsillen (15,8 %), das Kiefergelenk (11,7 %) sowie vaskuläre Strukturen (8,4 %). In Zone 2, die den Jochbogen‑ und Orbitakomplex umfasst, traten Befunde häufiger bei Frauen auf (21,5 % vs. 7,1 % bei Männern; p < 0,001).
Implikationen für die klinische Praxis
Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl zufällige als auch handlungsrelevante Befunde in mehr als der Hälfte der für die Implantatplanung erstellten CBCT‑Scans vorkommen. Das hohe Auftreten zufälliger Befunde, insbesondere in älteren Patientengruppen, unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden Befundbewertung über das reine Implantationsziel hinaus. Da handlungsrelevante Befunde nicht vom Sichtfeld abhängig waren, sollte die Entscheidungsfindung primär auf patientenbezogene Faktoren und nicht auf technische Scan‑Parameter gestützt werden.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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