Sonstige: Hohe Schadstoffbelastung nahe Kupfer‑ und Kobaltminen im Kongo gemessen
Unabhängige wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass 98 % der stündlichen Feinstaubmessungen in der Nähe von Bergwerksabfalldeponien in Kolwezi, Demokratische Republik Kongo, die Sicherheitsgrenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überschreiten. Die Messungen betreffen rund 1.500 Schülerinnen und Schüler sowie 68 Mitarbeitende der Galaxy School, die weniger als 500 Meter vom Abfalldeponie‑Komplex entfernt liegt.
Messungen und Ergebnisse
Die Untersuchungen von Source International, Rights and Accountability in Development (RAID) und AfreWatch, durchgeführt in Zusammenarbeit mit Professoren der Universität Lubumbashi, zeigen, dass die gemessenen PM2,5‑ und PM10‑Konzentrationen bis zu sechsmal über den WHO‑Grenzwerten liegen. Fast alle Messwerte (98 %) liegen über den zulässigen Grenzwerten, was auf eine kontinuierliche Belastung der Bevölkerung hindeutet.
Wasser‑ und Bodenkontamination
Zusätzlich zu den Luftmessungen wurden in Flüssen, Seen und Gemeinschaftsbrunnen hohe Konzentrationen von Kupfer, Kobalt, Mangan, Arsen, Blei und sogar Uran nachgewiesen. Ein Brunnen in Kolwezi, nur 200 Meter von einer Tailings‑Tonne entfernt, wies einen pH‑Wert auf, der 100‑mal saurer ist als empfohlene Werte, und Manganwerte, die das 14‑fache des Gesundheitslimits erreichen.
Gesundheitliche Folgen
Lokale Gesundheitsfachkräfte berichten über vermehrte chronische Hustenbeschwerden, Nasenbluten, Augenreizungen und Atembeschwerden. Frauen in den betroffenen Gebieten geben vermehrt Fehlgeburten, Menstruationsstörungen und angeborene Fehlbildungen an, die sie mit der Umweltverschmutzung in Verbindung bringen, obwohl bislang keine epidemiologische Studie den Kausalzusammenhang belegt.
Reaktionen von Akteuren
Nach Angaben von Nathan Nkulu, einem Gemeindeführer aus dem Distrikt Musonoi, führt die Nähe zu den Abfalldeponien zu einer dauerhaften Staubbelastung, die im Trockenzeitraum ganze Stadtviertel bedeckt. Flaviano Bianchini, Geschäftsführer von Source International, bezeichnet die Ergebnisse als „unter die besorgniserregendsten, die wir je an industriellen Bergwerken dokumentiert haben“. Emmanuel Umpula, Geschäftsführer von AfreWatch, fordert ein stärkeres Durchgreifen der Regierung und die Anwendung des Verursacher‑Prinzipes.
Implikationen für die Energiewende
Die Demokratische Republik Kongo liefert rund drei Viertel des weltweiten Kobalts und erhebliche Kupfermengen, die für Batterien und Solartechnologien benötigt werden. Die vorliegenden Befunde zeigen jedoch, dass die aktuelle Ausbeutung erhebliche ökologische und gesundheitliche Kosten verursacht, die die angestrebte grüne Transformation belasten.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY.
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