Hintergrund
Eine aktuelle Querschnittsstudie untersuchte das Ausmaß von sekundärem traumatischem Stress – einem Teilaspekt der Mitgefühls‑Ermüdung – bei informellen Betreuern von freilebenden Katzen in Portugal. Unter den 172 befragten Personen wiesen 47 % ein moderates und 10 % ein hohes Stressniveau auf.
Methodik
Die Daten wurden mittels strukturierter Telefoninterviews erhoben. Erfasst wurden soziodemografische Merkmale, Größe der betreuten Kolonien, Zufriedenheit mit der eigenen Tätigkeit, Resilienz, spirituelles Wohlbefinden sowie wahrgenommene soziale Unterstützung. Univariate und multivariate lineare Regressionsanalysen dienten der Identifikation von Prädiktoren für den Stress.
Ergebnisse – Belastende Faktoren
Die Analyse zeigte, dass die Betreuung großer Kolonien (mehr als 25 Katzen) und Arbeitslosigkeit signifikant mit höheren Stresswerten verbunden waren. Diese Faktoren spiegeln sowohl den praktischen Aufwand als auch die finanzielle Unsicherheit wider.
Ergebnisse – Schutzfaktoren
Ältere Betreuer, ein starkes familiäres Unterstützungsnetz und die Resilienz‑Komponente „Gelassenheit“ reduzierten das Risiko für sekundären Stress. Diese Befunde deuten darauf hin, dass Erfahrung und stabile soziale Bindungen belastungsdämpfend wirken.
Unerwartete Zusammenhänge
Interessanterweise korrelierte das Empfinden von Sinn im Leben positiv mit dem Stressniveau. Betreuer, die ihre Tätigkeit als zentralen Lebenszweck ansehen, investieren offenbar stärker emotionale Ressourcen und werden dadurch anfälliger für Belastungen, wenn sie nicht helfen können.
Institutionelle Unterstützung
Eine offizielle Registrierung der Kolonien sowie formale institutionelle Hilfen zeigten keinen signifikanten Einfluss auf das Stressniveau. Die am häufigsten genannte Sorge der Befragten war die Unfähigkeit, die Kosten für Futter und tierärztliche Versorgung zu decken.
Implikationen
Die Ergebnisse legen nahe, dass Maßnahmen sowohl externe Bedürfnisse (finanzielle Unterstützung für Futter und tierärztliche Versorgung) als auch interne Bewältigungsstrategien adressieren sollten. Psychosoziale Begleitung in Kombination mit Trap‑Neuter‑Return‑Programmen könnte das Wohlbefinden der Betreuer verbessern und gleichzeitig nachhaltige städtische Katzenmanagement‑Ansätze fördern.
One‑Health‑Perspektive
Die Studie unterstreicht, dass das Wohl von Tieren, Menschen und der Umwelt eng miteinander verknüpft ist. Eine ganzheitliche Herangehensweise kann sowohl die Gesundheit der betreuten Katzen als auch die psychische Gesundheit ihrer menschlichen Betreuer stärken.Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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