Hintergrund des Zensus 1962
Im Jahr 1962 führte die syrische Verwaltung in der Provinz Al‑Hasaka einen eintägigen Schnellzensus durch, bei dem zahlreiche Kurden ihre Staatsbürgerschaft verloren. Durch das Verfahren wurden drei Rechtskategorien geschaffen: Bürger, die als „Aliens of Al‑Hasakah“ (Ausländer von Al‑Hasaka) registriert wurden, und die Gruppe der „Maktumeen“ (Unregistrierte), die keinerlei rechtliche Anerkennung erhielt.
Rechtliche Einteilung
Die gesetzliche Unterscheidung führte dazu, dass Personen der Gruppe „Maktumeen“ weder einen Personalausweis noch ein Geburtszertifikat erhielten. Ohne offizielle Dokumente waren Grundrechte wie Schulbesuch, Arbeitsaufnahme oder medizinische Versorgung stark eingeschränkt.
Statistiken und Zahlen
Laut der Organisation Syrians for Truth and Justice wurden zwischen 1962 und 2011 über 517 000 Kurden ihrer Staatsbürgerschaft beraubt. Bis 2011 belief sich die Zahl der Unregistrierten in Al‑Hasaka auf mehr als 171 300. Bis 2018 konnten etwa 50 400 Personen den Status von „Unregistriert“ über „Aliens of Al‑Hasakah“ bis zur syrischen Staatsbürgerschaft ändern, während rund 41 000 wegen technischer Probleme im Registerverfahren nicht umgestellt wurden.
Einzelcase: Helbest Mohammed
Der 28‑jährige Kurde Helbest Mohammed wurde 1998 als Unregistrierter geboren. Trotz hervorragender schulischer Leistungen wurde ihm das Abschlusszeugnis verweigert, weil sein Status keine offizielle Identität nachwies. Er trat 2016 ohne Abschlusszeugnis in die Medizinische Fakultät in Damaskus ein und erhielt nur eine bedingte Immatrikulation, die ihm nach dem Studium kein Abschlusszeugnis bescherte.
Bildungsbarrieren
Mohammed musste wiederholt Anträge bei Bildungsministerien stellen, ohne dass diese zu einer vollständigen Anerkennung führten. Während des Studiums wurde er an militärischen Kontrollpunkten und an Flughäfen häufig nach seiner rechtlichen Situation befragt und war gezwungen, ein Mobiltelefon auf den Namen eines syrischen Staatsbürgers zu registrieren, weil eine eigene Registrierung ihm verweigert wurde.
Neues Dekret und Ausblick
Am 16. Januar 2026 erließ der Übergangspräsident Ahmed al‑Sharaa das Dekret Nr. 13, das alle Sondergesetze aus dem Zensus von 1962 aufhob und die syrische Staatsbürgerschaft für alle Kurden, einschließlich der Unregistrierten, garantierte. Kurz nach Inkrafttreten bestätigte Mohammed, dass sie ihre Staatsbürgerschaft erhalten habe.
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