Die Vereinten Nationen haben in einem neuen Bericht das Ausmaß des illegalen Handels mit Medizinprodukten in Zentralafrika dargelegt. Zwischen 2020 und 2025 wurden in Kamerun, Republik Kongo, Gabun, Zentralafrikanische Republik und Tschad insgesamt 251 Tonnen Arzneimittel von den Behörden beschlagnahmt.
Entwicklung der Beschlagnahmungen
Die jährlichen Beschlagnahmungen stiegen von rund fünf Tonnen im Jahr 2020 auf fast 116 Tonnen im Jahr 2024 und erreichten 2025 mehr als 97 Tonnen. Der Bericht betont, dass höhere Beschlagnahmungen sowohl auf verstärkte Strafverfolgung als auch auf ein wachsendes Handelsvolumen zurückzuführen sein können.
Geografische Schwerpunkte
Kamerun stellte 2025 mit 96 Tonnen den überwiegenden Teil der registrierten Beschlagnahmungen dar, während das Land 2020 nur 2,5 Tonnen verzeichnete. Die übrigen Länder trugen in geringerem Umfang zum Gesamtergebnis bei.
Ursachen im Gesundheitssystem
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) rangieren die sechs betroffenen Länder im Index für universelle Gesundheitsversorgung zu den weltweit schwächsten Performern; Tschad erreichte 26 von 100 Punkten gegenüber einem globalen Mittelwert von 71. Lange Anfahrtswege – in der Zentralafrikanischen Republik und Tschad lebten mehr als die Hälfte der Bevölkerung mindestens zwei Stunden vom nächsten Notfallkrankenhaus entfernt – und hohe Kosten, etwa ein vorgefüllter Insulinspritze für ein Einkommen von 16 Tagen eines niedrig bezahlten Staatsangestellten, verschärfen die Situation.
Marktdynamik und Preisgestaltung
Unter diesen Bedingungen können Verbraucher Medikamente für etwa 100 CFA‑Franc (ca. 0,20 €) pro Tablette erwerben, anstatt ein ganzes Packungsset zu kaufen. Zwischen 2013 und 2025 registrierte die WHO 228 Vorfälle mit Medizinprodukten, von denen 71 % als gefälscht und 11 % als minderwertig eingestuft wurden. Ein Drittel der Vorfälle erfolgte innerhalb regulierter Lieferketten.
Transportwege und Akteure
Die Untersuchung identifizierte Seehäfen in Apapa (Nigeria) und Douala (Kamerun) sowie Flusshäfen in Brazzaville und Bangui als zentrale Einfuhrpunkte. Zusätzlich wurden 7,3 Tonnen an Flughäfen beschlagnahmt. Das Netzwerk umfasst verdeckte Hersteller, Großhändler, informelle Händler, Kurierdienste, medizinisches Personal, korrupte Beamte und Online‑Verkäufer. Bewaffnete Gruppen beteiligen sich ebenfalls, indem sie Gesundheitseinrichtungen plündern oder „Steuern“ von Konvois erheben.
Gesundheitliche Folgen und Handlungsempfehlungen
Gefälschte oder falsch dosierte Medikamente können Vergiftungen, Therapieausfälle und Todesfälle verursachen und die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen begünstigen. Im Jahr 2023 starben 12 Kinder in Kamerun nach Einnahme eines kontaminierten Sirups. Die Vereinten Nationen fordern eine Harmonisierung der Rechtsvorschriften, verstärkte Grenzkontrollen und eine bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Gleichzeitig wird betont, dass der Zugang zu sicheren und bezahlbaren Medikamenten verbessert werden muss, um die Nachfrage nach illegalen Angeboten zu reduzieren.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Vereinte Nationen, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
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