Sonstige: Indigene Assyrer – Historische Gewalt, fehlende Anerkennung und aktuelle Bedrohungen
Historischer Kontext
Im Jahr 1933 kam es in der Stadt Simele und den umliegenden Bezirken zu einem massiven Angriff der irakischen Armee, unterstützt von kurdischen Stämmen. Nach Angaben von Global Voices wurden Tausende von Assyrern getötet; die Angreifer entwaffneten assyrische Männer, während arabische Familien Evakuierungsanweisungen erhielten. Der Vorfall wird von Historikern als systematischer Versuch der ethnischen Säuberung beschrieben.
Erinnerung und Anerkennung
Der 7. August gilt seit langem als Tag der assyrischen Märtyrer, ein Gedenktag, der an das Massaker von Simele erinnert und inzwischen das Leiden aller assyrischen Opfer einschließt. Trotz wiederholter Forderungen hat der irakische Staat das Ereignis bislang nicht offiziell anerkannt.
Sexuelle Gewalt im Genozid
Laut dem Juristen Raphael Lemkin, der den Begriff „Genozid“ prägte, umfasst Genozid nicht nur die physische Vernichtung, sondern auch die Zerstörung sozialer Strukturen. In den assyrischen Gemeinschaften wurden Frauen und Mädchen systematisch entführt, vergewaltigt und zur Zwangsheirat gezwungen, wodurch familiäre Bindungen und kulturelle Weitergabe stark beeinträchtigt wurden.
Archivische Lücken
Die Dokumentation von Gewalt gegen assyrische Frauen bleibt lückenhaft. Während nach dem Völkermord von 1915 an den Armeniern internationale Verträge wie der Vertrag von Sèvres Mechanismen zur Aufklärung fehlender Personen vorsahen, fehlten vergleichbare Verfahren für die assyrische Bevölkerung. Globale Archive enthalten nur spärliche Aufzeichnungen, was die historische Erinnerung weiter schwächt.
Aktuelle Situation
Seit dem Aufstieg des Islamischen Staates (IS) wurden assyrische Gemeinden erneut Ziel von Gewalt, Vertreibung und der Versklavung von Frauen und Mädchen. Während die internationale Berichterstattung häufig die Erfahrungen von Jesiden hervorhob, blieb die spezifische Lage assyrischer Frauen weitgehend unbeachtet. Die Angst vor Stigmatisierung und rechtlichen Folgen erschwert zudem die Meldung von Übergriffen.
Ausblick
Organisationen wie das Seyfo Centre und die Assyrian Studies Association beginnen, die historiografischen Lücken zu schließen, indem sie Zeugnisse von Überlebenden archivieren. Dennoch liegt die Hauptverantwortung für die Dokumentation und Anerkennung weiterhin bei den betroffenen Gemeinschaften, die auf freiwilliger Basis arbeiten, um ihr Erbe zu bewahren.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
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