Sonstige: Indische TV-Sender verbreiten falsche Bilder und Fehlinformationen während Operation Sindoor
Im Mai 2025 berichteten mehrere große indische Fernsehsender während der militärischen Operation Sindoor über angebliche Kampfhandlungen und Terroranschläge, obwohl die gezeigten Bilder und Aussagen nachweislich falsch waren. Beschwerden bei der News Broadcasting & Digital Standards Authority (NBDSA) sowie gerichtliche Entscheidungen belegen die systematischen Verstöße gegen journalistische Sorgfaltspflichten.
Falsche Kennzeichnung eines Lehrers
Am 7. Mai 2025 wurde der 47‑jährige Religionslehrer Maulana Qari Mohammad Iqbal in Poonch von pakistanischem Artilleriefeuer getötet. Der Sender News18 MP Chhattisgarh bezeichnete ihn in einer Sendung fälschlich als „Top‑Lashkar‑e‑Taiba‑Kommandanten“ und zeigte ein Bild aus einem Kondolenzpost. Die Poonch‑Polizei bestätigte, dass Iqbal keinerlei Verbindungen zu militanten Gruppen hatte und in der Gemeinde als angesehener Lehrer galt.
Gerichtsurteil und Schadensersatzforderungen
Am 28. Juni 2025 ordnete ein Richter des Bezirksgerichts Punch an, dass die Polizei ein Erstinformation‑Bericht (FIR) gegen News18, Zee News und weitere Redaktionsmitarbeiter nach den Bestimmungen des Bharatiya Nyaya Sanhita sowie § 66 des IT‑Gesetzes erstelle. Der Richter betonte, dass die unbestätigte Kennzeichnung eines toten Zivilisten als „pakistanischer Terrorist“ nicht als bloßer journalistischer Fehler zu werten sei. Die Familie von Iqbal reichte über ihren Anwalt Sheikh Mohammad Saleem Schadensersatzklagen in Höhe von 50 Millionen INR ein.
Verwendung alter Aufnahmen
Der Nachrichtensender Aaj Tak zeigte am 7. Mai 2025 angeblich aktuelle Aufnahmen von Raketenabschüssen, die jedoch aus einem armenischen Sputnik‑Beitrag vom 13. Oktober 2023 stammten und israelische Luftangriffe auf Gaza dokumentierten. Zwei Tage später wurde ein weiteres Video von einem israelischen Iron‑Dome‑System ausgestrahlt, das ursprünglich am 10. Mai 2021 von NSF Channel hochgeladen worden war. Beide Fälle wurden durch Bildrecherchen eindeutig zurückverfolgt.
Systemische Fehlberichterstattung
Eine Untersuchung der Washington Post aus Juni 2025 identifizierte mehrere Sender – darunter Zee News, NDTV, Times Now und India TV – die während Operation Sindoor gefälschte Berichte verbreiteten, etwa über die Zerstörung von Karachi oder die angebliche Festnahme des pakistanischen Oberbefehlshabers. Die Untersuchung wies zudem darauf hin, dass pensionierte Militärangehörige als Experten eingesetzt wurden, um die falschen Narrative zu untermauern, und dass unbestätigte Nachrichten aus Regierungs‑WhatsApp‑Gruppen ungeprüft weitergegeben wurden.
Reaktionen von Menschenrechtsorganisationen
Die Menschenrechtsorganisation Citizens for Justice and Peace (CJP) reichte formelle Beschwerden gegen die genannten Sender bei der NBDSA ein und beantragte Korrekturen sowie strafrechtliche Verfolgung wegen Verstößen gegen Genauigkeit, Unparteilichkeit und den Schutz der Privatsphäre. Die CJP kritisierte, dass keine der betroffenen Sender nach den Vorwürfen öffentliche Korrekturen veröffentlicht habe.
Auswirkungen auf Betroffene und Ă–ffentlichkeit
Die falschen Darstellungen haben die Hinterbliebenen des Lehrers stark belastet und das Vertrauen der Zuschauer in die Medienberichterstattung während einer sicherheitsrelevanten Krise erschüttert. Der Richter betonte, dass Pressefreiheit nicht das Recht einschließe, diffamierendes oder irreführendes Material zu verbreiten, und dass bei schweren Schäden gesetzliche Maßnahmen erforderlich seien.
Rechtliche Bewertung und Ausblick
Die gerichtlichen Anordnungen und die Beschwerden bei der NBDSA zeigen, dass indische Behörden bereit sind, mediale Fehlverhalten während militärischer Einsätze zu prüfen. Beobachter fragen, ob zukünftige Krisen zu einer strengeren Kontrolle von Bildmaterial und Quellen führen werden, um Wiederholungen ähnlicher Fehlberichte zu verhindern.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
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