Isotopenanalyse offenbart hohen Süßwasseranteil in Ernährung der YOO-Bewohner
Eine neue Untersuchung kombiniert mehrere isotopische Methoden, um die Ernährungsgewohnheiten an Yuzhniy Oleniy Ostrov (YOO) in Karelien zu beleuchten. Die Analyse umfasst Bulk‑δ¹³C‑ und δ¹⁵N‑Messungen aus dem Kollagen von 60 Menschen, neue δ¹³C‑Werte aus Zahnbioapatit von 10 Individuen und die erste archäologische, kompound‑spezifische Isotopenanalyse von Aminosäuren (CSIA‑AA) aus Nordwestrussland, die an 6 Proben durchgeführt wurde.
Methodik und Probenumfang
Die Forscher setzten auf etablierte Kollagen‑Isotopenmessungen, ergänzten diese durch enamelbasierte Kohlenstoffdaten und wendeten CSIA‑AA an, um die Herkunft von Kohlenstoff‑ und Stickstoffsignaturen differenzierter zuzuordnen. Durch diese Kombination konnten mögliche marine oder süßwasserbasierte Beiträge genauer abgegrenzt werden.
Isotopische Ergebnisse
Die Resultate zeigen, dass YOO ein eigenständiges isotopisches Cluster innerhalb des breiteren, rundum‑baltischen Jäger‑ und Sammler‑Spektrums bildet. Auffällig sind ungewöhnlich hohe δ¹⁵N‑Werte für einen Binnenort. CSIA‑AA‑Daten sowie die kombinierten enamel‑ und kollagen‑δ¹³C‑Werte deuten nicht auf marine Ressourcen oder den Fang von Seehunden als Ursache hin, sondern bestätigen eine starke Nutzung von Süßwasserressourcen, die mit dem Onega‑Seesystem vereinbar sind.
Ernährungsmodellierung
Die Bayesian‑Modellierung mit FRUITS weist ebenfalls einen hohen Süßwasseranteil aus, während die Beiträge von terrestrischem Wild überraschend niedrig erscheinen. Gleichzeitig ergeben die Modelle hohe Anteile pflanzlicher Nahrung, was von ethnografischen Erwartungen an boreale Jäger‑ und Sammlergesellschaften abweicht. Die Autoren führen dies auf aktuelle Beschränkungen bei der Modellierung von Lipidaufnahmen und auf adaptive Strategien bei proteinreicher Kost zurück.
Individuelle Variabilität
Die isotopische Streuung zwischen den Individuen ist gering; weder das Geschlecht noch die Grablage zeigen signifikante Unterschiede. Dieses Muster unterstützt die Annahme einer gemeinsamen Ernährungsweise während der relativ kurzen Nutzungsphase des Bestattungsplatzes.
Bedeutung der Befunde
Die Studie liefert die bislang detaillierteste isotopische Bewertung der Ernährung an YOO und unterstreicht den Nutzen mehrerer Proxys für die Rekonstruktion prähistorischer Lebensweisen. Die Ergebnisse regen dazu an, die Integration von Isotopen‑ und ethnografischen Daten zu überdenken, insbesondere im Kontext proteinreicher Diäten.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
Ende der Übertragung
