Neue Beobachtungen des James‑Webb‑ und des Hubble‑Weltraumteleskops belegen, dass das Sternsystem Terzan 5 im zentralen Bulge der Milchstraße eigenständig ist und bis zu vier unterschiedliche Sternpopulationen enthält.
FrĂĽhere Klassifikation und neue Erkenntnisse
Terzan 5 wurde 1968 entdeckt und lange Zeit als globularer Sternhaufen eingestuft, ein Typus, der üblicherweise nur eine einzige alte Sternpopulation aufweist. Im Jahr 2009 wurden bereits zwei unterschiedliche Populationen identifiziert, doch die aktuelle Analyse erweitert diese Zahl auf vier.
Methodik: Kombination von Infrarot‑ und Archivdaten
Das Infrarot‑Instrument NIRCam des James‑Webb‑Teleskops ermöglichte das Durchdringen des staubreichen Bulges und das Erkennen zahlreicher schwächerer Sterne. Die archivierten Aufnahmen des Hubble‑Teleskops wurden genutzt, um über einen Zeitraum von zwölf Jahren die Eigenbewegungen der Sterne zu messen und so Mitglieder von Terzan 5 von Vordergrundsternen zu unterscheiden.
Altersbestimmung und chemische Zusammensetzung
Die kombinierte Datenauswertung ergab vier Sterngenerationen mit geschätzten Entstehungszeiten von 12,5 Mrd., 4,7 Mrd., 3,8 Mrd. und 2,5 Mrd. Jahren. Begleitende Spektralanalysen am W. M. Keck‑Observatorium und am Very‑Large‑Telescope zeigten deutliche Unterschiede in der Metallizität, was auf wiederholte Anreicherungen durch Supernova‑Ereignisse schließen lässt.
Interpretation als „Bulge‑Fossilfragment“
Nach Ansicht von Forschern ist Terzan 5 vermutlich das Überbleibsel eines einst massiven Sternsystems, das vor etwa 12,5 Mrd. Jahren entstand und während der Bildung des galaktischen Bulges seine Eigenständigkeit bewahrte. Francesco R. Ferraro, Projektleiter, bezeichnet das Objekt als „Bulge‑Fossilfragment“, weil es die frühen Bausteine des Bulges widerspiegelt.
Vergleich mit ähnlichen Objekten
Ein weiteres bekanntes Objekt mit vergleichbarer Struktur ist Liller 1, das ebenfalls von einem globularen Haufen zu einem Bulge‑Fossilfragment umklassifiziert wurde. Das Forschungsteam plant, 40‑50 weitere Bulge‑Cluster zu untersuchen, um die Häufigkeit solcher mehrgenerationalen Systeme zu bestimmen.
Bedeutung für das Verständnis der Galaxienentstehung
Die Ergebnisse liefern direkte Beobachtungsstütze für Modelle, nach denen frühe Galaxien aus massiven Gas‑Scheiben klumpenbildenden Sternenfragmenten bestanden, die später zum Bulge zusammenflossen. Barbara Lanzoni, Mitautor, betont, dass Terzan 5 als lokales Beispiel helfen kann, die Bildung von Bulges in fernen Galaxien zu erklären.
Projektpartner und technische Rahmenbedingungen
Die Untersuchung wurde von einem internationalen Konsortium unter Leitung der NASA durchgeführt, wobei die ESA und die CSA als Partner beteiligt waren. Die Bildverarbeitung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Space Telescope Science Institute und den Universitäten Bologna.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von NASA, lizenziert unter Public Domain (U.S. Government Work).
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