Sonstige: Jammertest 2026 – Tests für resilientere Satellitennavigation
Im September 2026 fand auf der arktischen Insel Andøya in Norwegen die jährliche Jammertest‑Veranstaltung statt, bei der Hunderte von Jamming‑ und Spoofing‑Angriffen simuliert wurden, um neue Technologien für die Positionsbestimmung, Navigation und Zeitmessung (PNT) zu prüfen. Die Tests wurden von norwegischen Behörden koordiniert und von der European Space Agency (ESA) gemeinsam mit zahlreichen Industrie‑ und Forschungspartnern durchgeführt.
Arten von Störsignalen
Bei Jamming überlagert ein starkes Signal das echte Satellitensignal, sodass ein Empfänger keine Position mehr berechnen kann. Spoofing sendet falsche Signale, die zu einer falschen Standortanzeige führen, während Meaconing echte Signale aufnimmt und an einem anderen Ort erneut aussendet, wodurch Zeit‑ oder Ortsangaben verzerrt werden.
Auswirkungen auf Alltag und Infrastruktur
Die Tests zeigen, dass einfache Geräte wie Smartphones, Smartwatches oder Navigations‑Apps leicht getäuscht werden können – der blaue Punkt verschwindet oder erscheint an falschen Stellen. Gleichzeitig betont die ESA, dass PNT‑Technologie kritische Infrastrukturen wie Luftfahrt, Finanzsysteme, Stromnetze und Notfalldienste unterstützt, deren Ausfall weitreichende Folgen haben könnte.
ESA‑Beteiligung und Statement
Seit 2023 nimmt die ESA regelmäßig am Jammertest teil. „Jammertest ist ein grundlegender Baustein unserer Testaktivitäten bei ESTEC und im Feld. Er ermöglicht es uns, Laborlösungen unter realen Bedingungen zu prüfen,“ erklärte Jörg Hahn, Leiter der Galileo‑Entwicklung bei der ESA.
Erste Realwelt‑Demonstration des Galileo‑Signal‑Authentifizierungsdienstes
Am 16. September übertrugen fünf operative Galileo‑Satelliten ein neues verschlüsseltes Signal. Empfänger auf dem Testgelände konnten ihre Position mithilfe dieses Signals erfolgreich bestimmen – der erste praktische Nachweis des kommenden Signal Authentication Service (SAS) und des bereits verfügbaren Open Service Navigation Message Authentication (OSNMA).
Celeste‑Satelliten im Testbetrieb
Ingenieure der ESA‑Navigationslabors erfassten erstmals Signale der beiden Celeste‑Demonstrationssatelliten, die über Andøya flogen. Die Signale wurden trotz der Störbedingungen klar empfangen und werden nun im ESTEC‑Labor weiter ausgewertet.
EGNOS‑Monitoring‑Stationen
Im Rahmen des Horizon‑Europe‑Programms wurden zwei Prototyp‑Monitoring‑Stationen des EGNOS‑Teams zum ersten Mal im Feld erprobt. Die Stationen sollen die Flexibilität und Robustheit des Systems erhöhen und künftig für sicherheitsrelevante Anwendungen bereitstehen.
Beiträge aus dem NAVISP‑Ökosystem
Mehrere NAVISP‑Partner testeten eigene Lösungen: NetInsight demonstrierte das Zyntai TimeNode Access‑Gerät für präzise Zeitdienste, Dimetor sammelte Daten für das NAVSentry‑System zur Erkennung von Spoofing und Jamming, und Testnor stellte einen Playback‑Service für aufgezeichnete Daten bereit. Weitere anwesende Unternehmen waren u.a. ANavS, Fugro Norway, Indra Space, Kongsberg Discovery, Leonardo, NTNU, Oscilloquartz, Septentrio, Space Norway, Syntony GNSS, Thales Alenia Space Italia, u‑blox und Xona Space Systems UK.
Ausblick
Nach Abschluss des Feldtests stehen der ESA mehrere Terabytes an Messdaten zur Verfügung, die im Laufe des Jahres ausgewertet werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung der europäischen Satellitennavigationssysteme einfließen und deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Störangriffen erhöhen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von European Space Agency, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
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