Ein Forschungsteam hat gezeigt, dass in Ameisenkolonien jüngere Arbeiter mehr Erdvolumen ausheben als ältere, sowohl beim regulären Nestausbau als auch nach einer Zerstörung des Nestes. Die Untersuchung vergleicht natürliche Kolonien, die aus einer einzigen begatteten Königin hervorgegangen sind, mit experimentell fixierten Populationen, bei denen das Alter jedes Individuums bekannt ist.
Hintergrund
Das Nest einer Ameise fungiert als Skelett des Superorganismus. Wie ein Skelett wächst das Nest mit der Kolonie und muss nach katastrophalen Ereignissen repariert werden. Bisher war unklar, inwieweit das Alter der Arbeiter das Ausmaß und die Art des Grabens beeinflusst.
Methodik
Forscher beobachteten Kolonien über einen Zeitraum von sechs Monaten, die aus einer einzelnen Königin entstanden waren, und verglichen sie mit Kolonien, deren Demografie konstant gehalten wurde. In beiden Szenarien wurden gleich große Arbeitergruppen eingesetzt und das ausgegrabene Nestvolumen gemessen.
Ergebnisse
Die gemessenen Flächen unterschieden sich signifikant: Heterogene, natürlich wachsende Kolonien sowie Gruppen junger Ameisen gruben größere Flächen als alte Ameisenkohorten. Zusätzlich gruben jüngere Ameisen überwiegend schräge Tunnel, während ältere Ameisen gerade, senkrechte Tunnel bevorzugten. Diese Beobachtung stellt eine neuartige Form der Alterspolyethismus dar, bei der das Alter nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer Aufgabenübernahme, sondern auch die Ausführungsweise bestimmt.
Quantitatives Modell
Ein entwickeltes Modell sagt voraus, dass unter normalen Wachstumsbedingungen das Graben vorwiegend von jüngeren Ameisen ausgeführt wird. Nach einer Katastrophe hingegen übernehmen alle Altersklassen das Graben, um das verlorene Nestvolumen wiederherzustellen. Die Präsenz schräger Tunnel in natürlich wachsenden Nestern unterstützt diese Vorhersage.
Bedeutung für das Verständnis von Neststrukturen
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl demografische als auch physische Ereignisse einer Kolonie in der aktuellen Nestarchitektur sichtbar werden. Das Alter der Ameisen hinterlässt somit Spuren im Nest, die Aufschluss über die Geschichte der Kolonie geben.
Ausblick
Weitere Studien könnten untersuchen, wie Umweltfaktoren und Artenunterschiede das Alterspolyethismus-Verhalten modulieren und welche Rolle dieses Verhalten für das Überleben von Kolonien in wechselhaften Lebensräumen spielt.
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