USA: Junge Schlaganfallpatienten in England zeigen während und nach COVID‑19‑Pandemie steigende Inzidenz
Eine aktuelle Untersuchung aus England hat ergeben, dass die Häufigkeit von erstmaligen Schlaganfällen bei Personen unter 55 Jahren während der COVID‑19‑Pandemie anstieg, während sie bei Personen ab 55 Jahren weitgehend unverändert blieb. Die Analyse deckt den Zeitraum vom 1. April 2018 bis zum 31. März 2024 ab und berücksichtigt die Auswirkungen der Pandemie auf die Schlaganfallinzidenz.
Methodik
Forscher verknüpften Daten aus mehreren Quellen – Hausarzt‑, Klinik‑ und Sterberegister sowie einem nationalen Schlaganfall‑Audit – um erstmals auftretende Schlaganfälle bei Erwachsenen in England zu identifizieren. Die Inzidenz wurde altersbezogen (< 55 Jahre vs. ≥ 55 Jahre) standardisiert und in drei Perioden verglichen: vor der Pandemie (2018‑2020), während der Pandemie (2020‑2022) und nach der Pandemie (2022‑2024). Zusätzlich wurden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Vorhofflimmern und Hyperlipidämie vor und nach dem Schlaganfall analysiert.
Ergebnisse bei jüngeren Erwachsenen
Im Alter unter 55 Jahren zeigte sich ein signifikanter Anstieg der Schlaganfallinzidenz während der Pandemie (IRR = 1,07, 95 %‑KI [1,05‑1,09], p < 0,001). Der Anstieg setzte sich nach der Pandemie fort (IRR = 1,04, 95 %‑KI [1,02‑1,06], p < 0,001). Besonders stark war die Zunahme bei ethnischen Minderheitengruppen: Schwarze Personen (IRR = 1,13, 95 %‑KI [1,05‑1,21], p = 0,0005) und Asiaten (IRR = 1,26, 95 %‑KI [1,20‑1,33], p < 0,001). Die Ergebnisse blieben nach Aufschlüsselung nach Geschlecht, Region und Schlaganfallsubtyp konsistent.
Ergebnisse bei älteren Erwachsenen
Für Personen ab 55 Jahren blieb die Inzidenz während der Pandemie praktisch unverändert (IRR = 0,99, 95 %‑KI [0,99‑1,00], p = 0,06), zeigte jedoch nach der Pandemie einen leichten Anstieg (IRR = 1,04, 95 %‑KI [1,03‑1,04], p < 0,001).
Altersbezogene Divergenz
Die relative Differenz zwischen den Altersgruppen wuchs während der Pandemie signifikant (RTTR = 1,07, 95 %‑KI [1,05‑1,08], p < 0,001) und blieb danach unverändert (RTTR = 0,99, 95 %‑KI [0,97‑1,00], p = 0,11), was auf eine wachsende Ungleichheit zugunsten älterer Patienten hinweist.
Risikofaktoren
Die Prävalenz etablierter Risikofaktoren änderte sich insgesamt wenig. Allerdings stieg während der Pandemie die Rate nicht diagnostizierter Bluthochdruck‑ (RR = 1,07, 95 %‑KI [1,02‑1,13]) und Diabetes‑Fälle (RR = 1,22, 95 %‑KI [1,08‑1,37]) bei jüngeren Personen, insbesondere bei ethnischen Minderheiten. Diese Entwicklung hielt nach der Pandemie an.
Einschränkungen und Ausblick
Die Studie beruht auf Routinedaten, die keine detaillierten Informationen zu potenziellen Mechanismen liefern. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass während und nach der Pandemie Chancen zur Erkennung und Behandlung von Schlaganfall‑Risikofaktoren, besonders bei jüngeren und ethnisch marginalisierten Patienten, verpasst wurden. Weitere Untersuchungen sind nötig, um gezielte Interventionsstrategien zu entwickeln.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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