Eine prospektive Kohortenstudie mit über 460 000 US‑Erwachsenen im Alter von 50 bis 71 Jahren untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Konsum ultra‑verarbeiteter Lebensmittel (UPF) und dem Auftreten von kolorektalem Adenokarzinom bis 2018. Die Teilnehmenden wurden zu Studienbeginn hinsichtlich ihrer Ernährung, demographischer Merkmale und Lebensstilfaktoren befragt und anschließend über einen Zeitraum von bis zu 23 Jahren nach Krebsdiagnosen verfolgt.
Studiendesign und Population
Die Analyse stützte sich auf Daten des NIH‑AARP‑Ernährungs‑ und Gesundheitsstudienprogramms, das 1995‑96 mittels eines Food‑Frequency‑Questionnaires (FFQ) die Nahrungsaufnahme erfasste. Die UPF‑Aufnahme wurde nach dem NOVA‑System klassifiziert und in geschlechtsspezifische Quintile eingeteilt. Insgesamt wurden 10 075 Fälle von kolorektalem Adenokarzinom identifiziert.
Ergebnisse zur Gesamt‑UPF‑Aufnahme
Die multivariablen Cox‑Modelle zeigten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Gesamt‑UPF‑Aufnahme und dem Risiko für kolorektalen Krebs (Hazard Ratio 5. Quintil vs. 1. Quintil = 0,97; 95 %‑KI 0,91–1,03; p‑Trend = 0,55). Damit bestätigte die Studie die Hypothese, dass die Gesamtmenge an ultra‑verarbeiteten Lebensmitteln allein keinen eindeutigen Einfluss auf die Krebsinzidenz ausübt.
Zusammenhang einzelner UPF‑Komponenten
Bei einer differenzierten Betrachtung ergab sich, dass der Konsum von Vollkorn, Ballaststoffen, Milchprodukten und Calcium aus UPF‑Quellen mit einem geringeren Risiko verbunden war, während der Verzehr von verarbeitetem Fleisch aus denselben Quellen das Risiko erhöhte. Diese gegensätzlichen Effekte könnten die fehlende Gesamtassoziation erklären.
Einschränkungen der Untersuchung
Die Autoren wiesen darauf hin, dass das Beobachtungsdesign potenzielle Residualkonfundierung und Fehlklassifikationen bei der selbstberichteten Ernährung nicht vollständig ausschließen kann. Zudem beruhen die Ergebnisse auf einer älteren US‑Bevölkerung, sodass die Übertragbarkeit auf jüngere Altersgruppen oder andere Länder unklar bleibt.
Implikationen für Ernährungsempfehlungen
Die Resultate unterstützen bestehende Ernährungsempfehlungen, die den Verzehr von Vollkorn, Ballaststoffen, Milchprodukten und Calcium fördern und den Konsum von verarbeitetem Fleisch einschränken, um das Risiko für kolorektalen Krebs zu senken.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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