Sonstige: KI‑gestützte Grenzkontrolle in den USA – Menschenrechte und Rassengleichheit
Rechtlicher Rahmen
Die USA sind seit 1994 Vertragspartei der Internationalen Konvention zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (ICERD). Nach Art. 2 (1) (a) muss jede Form von Rassendiskriminierung verhindert werden, Art. 2 (1) (c) verlangt die Änderung diskriminierender Politiken, Art. 5 garantiert gleiche Behandlung vor dem Gesetz und Art. 6 fordert wirksame Rechtsbehelfe für Betroffene. Diese Vorgaben gelten auch für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Grenzbereich.
Ăśberwachung vor dem GrenzĂĽbertritt
Nach Angaben der Black Alliance for Just Immigration (BAJI) und der Immigrant Rights Clinic der UC Irvine (UCI) nutzt das Customs and Border Patrol (CBP) autonome Überwachungstürme und Drohnen, um Personen bereits vor dem Betreten des Staatsgebiets zu identifizieren. Die Systeme von Anduril und weitere sUAS markieren Migranten häufig als Sicherheitsrisiko, was laut BAJI zu einer unverhältnismäßig hohen Sterblichkeitsrate von farbigen Migranten führt, weil diese in gefährlichere Routen gedrängt werden.
Algorithmische Risikobewertung
Die frühere CBP‑One‑App verlangte Selfies zur Identitätsprüfung, erkannte jedoch dunklere Hauttöne 10‑ bis 100‑mal häufiger fehlerhaft, wie die Rechtswissenschaftlerin Priya Morley feststellte. Zusätzlich fehlten Übersetzungen für Sprachen, die von vielen Migranten gesprochen werden. Das Automated Targeting System (ATS) bewertet Visa‑Überschreitungen und hat laut Berichten bei der Aufnahme Nigerias in eine Reisewarnliste nigerianische Reisende überproportional als Hochrisiko eingestuft.
Innenpolitische KI‑Anwendungen von ICE
Das Ministerium für Einwanderung und Zoll (ICE) verwendet das private Unternehmen B.I. Incorporated entwickelte „Hurricane‑Score“-Modell, dessen Kriterien nicht offengelegt werden. Das RAVEn‑System (Repository for Analytics in a Virtualized Environment) aggregiert Daten aus 56 Ländern und lokalen Polizeidatenbanken, ohne dass Migranten der Erhebung zustimmen können. Die fehlende Transparenz wird von Menschenrechtsorganisationen als Verstoß gegen ICERD‑Artikel gewertet.
KI im Asylverfahren
Die US Citizenship and Immigration Services (USCIS) setzen das Asylum Text Analytics (ATA) ein, um Betrug in Asylanträgen zu erkennen. Studien zeigen, dass ATA Anträge von Nicht‑Englisch‑Sprechenden benachteiligt, weil ähnliche Formulierungen fälschlich als betrügerisch eingestuft werden. Das AI‑basierte Evidence‑Classifier‑Tool prüft Millionen von Dokumenten und kann untypische Nachweise übersehen, was zu diskriminierenden Entscheidungen führen kann.
Empfehlungen für eine dekoloniale KI‑Gestaltung
BAJI und UCI fordern die Einbindung afrikanischer und diasporischer Gemeinschaften in die Entwicklung, das Training und den Betrieb von KI‑Systemen. Sie schlagen vor, Betroffene über automatisierte Entscheidungen zu informieren, ein Opt‑out‑Recht zu ermöglichen und gesetzliche Vorgaben zu schaffen, die rassistische Ergebnisse verhindern. Zusätzlich sollen Städte den Austausch von Daten mit dem DHS untersagen, wenn diese Daten für KI‑Projekte verwendet werden könnten.
Ausblick
Solange KI‑Systeme an der US‑Grenze ohne transparente Kontrolle und ohne wirksame Antidiskriminierungsmaßnahmen eingesetzt werden, bleibt das Risiko struktureller Rassendiskriminierung bestehen. Die Umsetzung der genannten Empfehlungen könnte dazu beitragen, die Verpflichtungen aus ICERD zu erfüllen und die Menschenrechte von Migranten zu stärken.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
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