Ein neues Gesetzespaket, das als KIDS Act bezeichnet wird, steht kurz vor einer Abstimmung im US‑Kongress. Das Paket fasst die überarbeitete Version des Kids Online Safety Act (KOSA) sowie mehrere weitere Internet‑ und Studiengesetze zusammen und sieht ein stark beschleunigtes Verfahren für die Verabschiedung vor.
Alterserfassung und rechtliche Standards
Der Gesetzentwurf verlangt von Online‑Diensten, das Alter aller Nutzer zu überprüfen und bei Kenntnis oder dem begründeten Verdacht, dass ein Nutzer ein Kind (unter 13 Jahre) oder ein Jugendlicher (13‑16 Jahre) ist, besondere Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Der Standard „kennt oder sollte kennen“ entspricht einer Fahrlässigkeits‑Schwelle, die bereits bei bloßer Annahme einer Minderjährigkeit rechtliche Konsequenzen auslösen kann.
Auswirkungen auf Plattformen
Um das Risiko von Klagen oder behördlichen Sanktionen zu minimieren, werden viele Anbieter voraussichtlich umfassende Altersprüfungen einführen. Dabei können Verfahren wie die Vorlage von Ausweisdokumenten, die Nutzung von Alters‑Schätz‑Algorithmen oder die Analyse von Nutzer‑Verhalten zum Einsatz kommen. Bereits bestehende Schätz‑Systeme weisen nachweislich höhere Fehlerraten bei Kindern, Menschen mit Behinderungen und Personen mit dunkler Hautfarbe auf.
Erweiterte Regelungen und Moderationspflichten
Zusätzlich zu KOSA enthalten das SAFE BOTS‑Gesetz und das SCREEN‑Gesetz Vorgaben, die Dienste verpflichten, Inhalte für Minderjährige zu blockieren, wenn sie „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ unter dem jeweiligen Alterslimit liegen. Die Vorschriften erstrecken sich zudem auf die Moderation von Inhalten zu Drogen, Tabak, Glücksspiel, Alkohol und Finanzbetrug, wodurch Plattformen unter Druck geraten könnten, legale Diskussionen zu diesen Themen zu entfernen oder zu beschränken.
Folgen fĂĽr private Kommunikation
Der Gesetzentwurf sieht ferner neue Bestimmungen für Direktnachrichten, selbstlöschende Nachrichten und KI‑Chat‑Dienste vor. Obwohl bestimmte Klauseln den Schutz starker Verschlüsselung betonen, bleibt unklar, wie Plattformen die geforderten Alters‑ und Inhaltsprüfungen innerhalb verschlüsselter Kanäle durchführen sollen. Experten erwarten, dass Anbieter daher Funktionen zur Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung einschränken oder zusätzliche Metadaten erheben könnten.
Insgesamt könnte das KIDS‑Act‑Paket zu einer stärkeren Alters‑ und Inhaltskontrolle im gesamten Internet führen, wobei sowohl die Privatsphäre als auch die freie Meinungsäußerung von Nutzern aller Altersgruppen beeinträchtigt werden könnten.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Electronic Frontier Foundation, lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 (CC BY 4.0). Offene journalistische Inhalte.
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