USA: Kinder mit Behinderungen haben ein signifikant höheres Sterberisiko
Eine systematische Übersichtsarbeit, die im Zeitraum von Januar 2000 bis August 2026 in internationalen Datenbanken nach Studien zu Kinder‑ und Jugendsterblichkeit gesucht hat, zeigt, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderungen im Vergleich zu ihren nicht behinderten Altersgenossen ein stark erhöhtes Risiko für den Tod aufweisen. Die Analyse umfasst 29 Kohortenstudien mit insgesamt über 35 Millionen Teilnehmenden und liefert einen 5,31‑fachen Anstieg der Gesamtmortalität (95 %‑KI [3,63 – 7,77]; p < 0,001).
Methodik
Die Untersuchung wurde prospectiv im Register PROSPERO (CRD420251072039) angemeldet. Gesucht wurden Studien in Embase, Global Health, MEDLINE, PubMed und PsycInfo, die Kohorten von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0‑19 Jahren mit klar definierter Behinderung und einer Vergleichsgruppe ohne Behinderung präsentierten. Zwei Forscher prüften die Treffer unabhängig voneinander, ein dritter Forscher verifizierte die extrahierten Daten. Das Risiko von Bias wurde mit dem Joanna‑Briggs‑Institute‑Tool bewertet.
Gesamtergebnis
Sechzehn der eingeschlossenen Studien lieferten alters‑ und geschlechtsadjustierte oder multivariable Mortalitätsraten, die in die Meta‑Analyse einbezogen wurden. Das aggregierte Hazard‑Ratio (HR) von 5,31 verdeutlicht das deutlich höhere Sterberisiko der behinderten Gruppe. Die Heterogenität war mit I² = 98 % und τ² = 0,88 sehr hoch, was auf erhebliche Unterschiede zwischen den Einzelstudien hinweist.
Altersbezogene Befunde
Die Analyse nach Altersgruppen ergab, dass das Risiko bei jüngeren Kindern (0‑5 Jahre) besonders stark ausgeprägt ist (HR = 7,51; 95 %‑KI [4,70 – 12,00]; I² = 91 %). Bei älteren Kindern und Jugendlichen (6‑19 Jahre) bleibt das Risiko ebenfalls erhöht (HR = 4,68; 95 %‑KI [2,26 – 9,69]; I² = 96 %).
Disability‑spezifische Befunde
Untersucht nach Behinderungstyp zeigte sich, dass neurologische Behinderungen das höchste Sterberisiko tragen (HR = 11,71; 95 %‑KI [7,90 – 17,35]; I² = 76 %). Andere Behinderungskategorien wiesen ebenfalls erhöhte Raten auf, jedoch mit geringerer Ausprägung.
Einschränkungen
Die hohe Heterogenität, unterschiedliche Methoden zur Erfassung von Behinderungen und die begrenzte Zahl von Studien aus Niedrig‑ und Mitteleinkommensländern schränken die Generalisierbarkeit der Ergebnisse ein. Zudem variieren die berichteten Effektmaße, was den Vergleich erschwert.
Schlussfolgerungen
Die vorliegenden Daten belegen, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderungen weltweit einem deutlich höheren Sterberisiko ausgesetzt sind. Die Ergebnisse unterstreichen den dringenden Bedarf an gezielten Maßnahmen und weiterer Forschung, um die Mortalitätslücke zu schließen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
Ende der Uebertragung