International: Kinderamputierte in Gaza benötigen kontinuierliche Prothesenversorgung
In Gaza benötigen tausende Kinder, die während des Konflikts Amputationen erlitten haben, dauerhaft medizinische Betreuung, um funktionierende Prothesen zu erhalten. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden seit Oktober 2023 etwa 10.000 Kinder mit schwerwiegenden Verletzungen registriert, von denen mehr als 5.000 eine Gliedmaßenamputation erlitten haben – ein Anteil von einem von fünf.
AusmaĂź der Verletzungen
Seit 2023 haben über 1.000 Kinder in Gaza Amputationen erlitten. Von den 2.300 Menschen mit amputierten Gliedmaßen, die zwischen September 2024 und Mai 2026 beurteilt wurden, konnten weniger als 25 % dauerhaft mit einer Prothese versorgt werden. Die WHO meldete zudem, dass fast 14.000 Patienten zwischen Juli 2025 und Mai 2026 eine Rekonstruktionsbehandlung beantragt haben, darunter 105 Kinder.
Versorgungsengpässe
Der Mangel an Prothesenmaterialien und -komponenten, bedingt durch die anhaltende Blockade, führt dazu, dass viele Kinder keine passenden Prothesen erhalten. Zum Beispiel wartet die WHO auf die Freigabe von 18 Lieferungen von Rehabilitationsmaterialien, wobei die Verzögerungen zwischen 130 und 520 Tagen liegen (Stand: Mitte April 2026).
Kapazitäten der Rehabilitationszentren
Das Artificial Limbs and Polio Centre (ALPC) in Gaza behandelt täglich etwa 40‑50 Patienten, von denen rund 40 % Kinder sind. Laut der stellvertretenden Direktorin Nevein Al‑Ghussain werden monatlich rund 35 Patienten mit einer permanenten Prothese und etwa 100 Patienten mit einer Orthese versorgt.
Personalknappheit
Der Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) meldet, dass Gaza derzeit nur neun Fachkräfte für Prothesen und Orthesen beschäftigt. Globale Standards empfehlen ein Verhältnis von einem Prothetiker pro 250‑300 Amputierte, was auf eine erhebliche Lücke im Fachpersonal hinweist.
Zusätzliche Gesundheitsbelastungen
Neben den Amputationen hat die WHO 3.400 Menschen mit schweren Verbrennungen erfasst, von denen rund 90 aktive Patienten in Gaza eine transparente Gesichtsorthese benötigen. Der Mangel an 3D‑Druckmaterialien und Ersatzteilen erschwert die Herstellung dieser Orthesen erheblich.
Aussagen von Fachleuten
Fady Al Madhoun, medizinischer Leiter von Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Gaza, betont, dass das Fehlen von Prothetiker*innen vor Ort die Bewertung, Anpassung und Nachsorge von Prothesen erheblich verzögere. Er fordert eine langfristige internationale Investition in fortgeschrittene Prothetik und Rekonstruktionspflege.
Erforderliche MaĂźnahmen
Um die Lebensqualität der betroffenen Kinder zu sichern, ist ein kontinuierlicher Zugang zu Prothesen, orthopädischen Hilfsmitteln und Nachsorge unabdingbar. Fachleute fordern beschleunigte Freigabe von Lieferungen, Ausbau des Fachpersonals und technische Unterstützung für lokale Produktionskapazitäten.
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