Nach den USAID‑Finanzkürzungen im Jahr 2025 und der darauffolgenden Schließung von Lernzentren in den Rohingya‑Flüchtlingslagern von Cox’s Bazar ist die Zahl der Kinderehen im vergangenen Jahr um 21 % gestiegen. Gleichzeitig haben sich gemeldete Kindesentführungen auf 560 Fälle vervierfacht und die Rekrutierung von Kindern durch bewaffnete Gruppen ist um das Achtfache zugenommen.
Hintergrund der FlĂĽchtlingslage
Seit dem gewaltsamen Vertreiben von rund 750 000 Rohingya aus dem Rakhine‑Staat vor neun Jahren leben fast eine Million Menschen in 33 überfüllten Lagern im südlichen Bangladesch. Die fehlende Staatszugehörigkeit verhindert den Zugang zu regulärem Schulbesuch, Gesundheitsversorgung und rechtlichem Schutz, sodass die Bevölkerung vollständig auf externe Hilfen angewiesen ist.
Einzelfälle verdeutlichen das Problem
In Kutupalong, einem der größten Lager, musste die 13‑jährige Maryam ihr Lernzentrum verlassen, als die Finanzierung 2025 auslief. Drei Wochen später stimmte ihr alleinerziehender Elternteil einer Ehe mit einem 34‑jährigen Mann zu, nachdem ein religiöser Führer die Heirat als spirituell notwendig bezeichnete. Die vereinbarte Mitgift betrug lediglich zweitausend Taka (ca. 16 USD), weit unter dem gesetzlichen Mindestalter von 18 Jahren für Frauen.
Ein weiteres Beispiel aus dem Lager 20 zeigt, wie ein lokaler Majhee – ein Blockleiter, der Nahrung und Eheschließungen verwaltet – die 14‑jährige Fatima, Tochter einer verwitweten 40‑jährigen Frau, zur vierten Ehefrau machte, um seine Führungsposition zu festigen. Die Ehe erfolgte ohne Genehmigung der Camp‑in‑Charge‑Behörde und ohne Altersnachweis.
Statistische Entwicklung
Laut einer Studie aus dem Jahr 2021 heirateten Rohingya‑Jugendliche im Durchschnitt mit 15,7 Jahren, und über 62 % der Frauen im Lager waren bereits vor dem 18. Lebensjahr verheiratet. Die jüngsten Zahlen belegen, dass die Kinderehe‑Fälle seit dem Wegfall der Finanzmittel deutlich zugenommen haben.
Aussagen von Fachleuten
Patrick Halton, Manager für Kinderschutz bei UNICEF, erklärte: „Durch die Finanzierungskürzungen konnten wir die Bildungsangebote stark reduzieren, was dazu führte, dass mehr Kinder in die Ehe gedrängt wurden.“ Eine Lehrkraft bestätigte, dass die Abwanderung von Schülerinnen wegen Eheschließungen deutlich sichtbar sei.
Strukturelle Ursachen
Der Wegfall hoher Mitgiftbeträge, die früher zwischen 2 300 USD und 3 300 USD lagen, hat die ökonomische Barriere für Kinderehen gesenkt. Zudem ermöglicht das Rationssystem, dass ein Mann mehrere Ehefrauen versorgen kann, ohne zusätzliche Einkünfte zu erzielen, wodurch die traditionelle Hemmschwelle für Polygamie entfällt.
SchutzlĂĽcken und Ausblick
Obwohl die Camp‑in‑Charge‑Behörden formale Genehmigungsverfahren und Altersprüfungen vorsehen, berichten Fachberichte von BRAC University, dass diese Vorgaben kaum umgesetzt werden, weil es an Überwachungspersonal fehlt. Die internationale Gemeinschaft steht nun vor der Frage, ob sie die Konsequenzen ihrer Finanzkürzungen anerkennt und Maßnahmen ergreift, um den Anstieg der Kinderehen zu stoppen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
Ende der Uebertragung