UN: Kinderheirat und Schwangerschaft in Jemen verschärfen humanitäre Krise
Die anhaltende humanitäre Notlage im Jemen führt dazu, dass immer mehr junge Menschen frühzeitig in Ehe und Mutterschaft gedrängt werden, während gleichzeitig die Versorgung mit Grund- und Gesundheitsleistungen stark eingeschränkt ist.
Erhöhte Malnutrition bei jungen Schwangeren
Reham Hazbar, Berater im sicheren Raum von Al Hudaydah, der von der UN‑Bevölkerungsagentur (UNFPA) unterstützt wird, erklärte, dass ein deutlicher Anstieg von Unterernährung bei schwangeren Jugendlichen zu beobachten sei. Viele Patientinnen kommen mit niedrigem Körpergewicht, Anämie und starker Erschöpfung in die Gesundheitseinrichtungen, wobei ihr Körper häufig nicht für die Belastungen einer Schwangerschaft gerüstet ist.
Gesundheitsinfrastruktur in der Krise
Nach Angaben des UN‑Bevölkerungsfonds funktionieren weniger als zwei Drittel der Gesundheitseinrichtungen im Land, und nur ein von fünf dieser Einrichtungen bietet materielle Versorgung für Schwangere an. Der UNFPA schätzt, dass 1,3 Millionen schwangere und stillende Patientinnen unterernährt sind; zudem sind 100 000 Personen aus ihren Wohnungen vertrieben worden, was das Risiko bei Geburten weiter erhöht.
Einzelne Schicksale: Fatimah
Fatimah, die im Alter von 13 Jahren verheiratet wurde, musste nach mehreren Fluchten und dem Verlust ihres Mannes im Camp erneut eine Schwangerschaft durchleben. Ohne Einkommen und ohne nahegelegene medizinische Versorgung kämpfte sie mit Anämie und ständiger Angst um das Leben ihres ungeborenen Kindes. Durch die Unterstützung des sicheren Raums erhielt er eine medizinische Überweisung und nimmt nun an Alphabetisierungskursen teil, die von der Jemen Women’s Union angeboten werden.
Einzelne Schicksale: Donia Adel
Donia Adel, 19 Jahre alt und acht Monate schwanger, wurde im Alter von 15 Jahren verheiratet. Trotz des Wunsches, Lehrer zu werden, musste sie die Schule verlassen, weil ihre Familie die Kosten nicht tragen konnte. Sie berichtet, dass sie häufig hungrig ins Bett geht und nur selten die nötigen Medikamente und Nahrung erhalten kann, weil die Anfahrt zu den Gesundheitszentren zu teuer und zu weit ist.
Barrieren beim Zugang zu medizinischer Versorgung
Amira, eine Gesundheitsarbeiterin in Abyan, betont, dass viele Patientinnen die Kosten für Transport und verschriebene Medikamente nicht tragen können. Zusätzlich verhindern soziale Beschränkungen und ein Mangel an medizinischem Personal, dass Schwangere rechtzeitig behandelt werden. Selbst wenn eine Überweisung an ein spezialisiertes Krankenhaus erfolgt, ist die Anreise für die Familien selten gesichert.
Bildung und Kinderehe
Fast ein Drittel der jugendlichen Personen im Jemen ist kindlich verheiratet; dieser Anteil steigt bei vertriebenen Familien weiter an. Etwa 1,5 Millionen Jugendliche sind nicht mehr in der Schule eingeschrieben. Weniger als die Hälfte der Frauen im Land gebiert in einer Gesundheitseinrichtung, und beinahe 30 % erhalten keinerlei vorgeburtliche Betreuung.
Unterstützungsangebote
Beide betroffenen Personen haben über die von UNFPA geförderten sicheren Räume Zugang zu Beratung und medizinischen Verweisen erhalten. Zusätzlich bieten diese Räume Alphabetisierungskurse an, die den betroffenen Familien helfen sollen, langfristig ihre Situation zu verbessern.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Vereinte Nationen, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
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