Eine multinationale Analyse von Personen ab 50 Jahren aus 31 Ländern zeigt, dass das gleichzeitige Vorhandensein physischer, psychischer und kognitiver Erkrankungen die Wahrscheinlichkeit für ambulante Arztbesuche im Vergleich zu gesunden Personen deutlich erhöht.
Methodik
Die Untersuchung kombiniert harmonisierte Daten aus sechs Langzeitstudien. Zur Schätzung der Wahrscheinlichkeit von Inanspruchnahme wurden random‑effects logistische Regressionsmodelle eingesetzt, zur Analyse der Besuchshäufigkeit random‑effects negative Binomial‑Modelle. Alle Modelle berücksichtigen Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Beschäftigungsstatus, Familienstand, sozioökonomischen Status sowie Lebensstilfaktoren.
Ergebnisse – ambulante Versorgung
Im Vergleich zu Personen ohne Erkrankungen liegt das Odds Ratio für ambulante Nutzung bei physisch‑psychisch‑kognitiver Multimorbidität bei 3,21 (95 %‑KI [2,39 – 4,03]). Das Odds Ratio ist höher bei rein physisch‑psychischer Multimorbidität (7,84; 95 %‑KI [6,59 – 9,10]).
Sozioökonomische Unterschiede
Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status zeigen im Mittel stärkere Nutzung von ambulanten Diensten bei gleicher Multimorbidität. Die Diskrepanz wird durch die länderspezifischen Analysen bestätigt.
Stationäre Versorgung
Das Hinzufügen einer kognitiven Erkrankung zu einer physischen oder psychischen Erkrankung führt nicht zu einer erhöhten stationären Nutzung, was auf unterschiedliche Versorgungsbedarfe hinweist.
Einfluss der Krankenversicherung
Unter Versicherungsdeckung beträgt das Odds Ratio für ambulante Nutzung bei physisch‑psychisch‑kognitiver Multimorbidität 6,22 (95 %‑KI [5,33 – 7,25]) im Vergleich zu 3,40 (95 %‑KI [3,03 – 3,82]) bei nicht versicherten Personen, was auf eine Abschwächung des Effekts hinweist.
Limitationen
Die Messungen der Gesundheitsnutzung variierten zwischen den Kohorten und wurden retrospektiv harmonisiert, was die Vergleichbarkeit einschränken kann.
Schlussfolgerungen
Kognitive Erkrankungen verkomplizieren die Beziehung zwischen Multimorbidität und Gesundheitsnutzung und deuten auf potenzielle Versorgungsdefizite hin, insbesondere bei Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status. Die Ergebnisse legen nahe, dass Krankenversicherung einen Beitrag zur Reduktion sozioökonomischer Ungleichheiten leisten kann.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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