Hintergrund und Auslöser
Eine koordinierte Polio‑Impfkampagne wurde von Äthiopien und Südsudan im Mai 2026 durchgeführt, um über eine Million Kinder unter fünf Jahren in Grenzregionen und Flüchtlingslagern zu schützen. Der Anstoß erfolgte nach dem Nachweis von zirkulierendem, impfstoffabgeleitetem Poliovirus Typ 1 (cVDPV1) in Südsudan im März und April 2026, das nahe der äthiopischen Grenze identifiziert wurde. Die enge Mobilität von Händlern, Pastoren und Flüchtlingen erhöhte das Risiko einer grenzüberschreitenden Ausbreitung erheblich.
Durchführung der Kampagne
Die Impfaktion erfolgte vom 7. bis 10. Mai 2026 in den Regionen Gambella, Benishangul‑Gumuz sowie den Zonen West‑Wollega und Kelem‑Wollega im Oromia‑Gebiet. Durch detaillierte Mikroplanung, Kartierung von Migrationsrouten und Abstimmung der operativen Strategien auf beiden Seiten der Grenze wurden mobile und schwer zugängliche Populationen gezielt erreicht. Die Durchführung erfolgte in enger Abstimmung zwischen den Gesundheitsbehörden beider Länder und wurde von WHO, UNICEF und weiteren Partnern unterstützt.
Erreichte Impfzahlen
Nach vorläufigen Angaben erhielten 1 026 885 Kinder die bivalente Oral‑Polio‑Impfung (bOPV), was einer gemeldeten Impfquote von 101 % entspricht. Die hohe Zahl resultiert aus zusätzlichen Impfungen in Flüchtlingslagern und bei schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppen, die über mobile Teams und Sondermaßnahmen versorgt wurden.
Unterstützung durch Partner
Die Äthiopische Behörde für öffentliche Gesundheit, WHO, UNICEF und weitere Partner mobilisierten Mittel aus der Gates Foundation, stellten Impfstofflieferungen sicher und stärkten die Logistiksysteme. WHO übernahm dabei die programmatische Führung, stellte finanzielle Mittel für operative Kosten bereit und lieferte technisches Fachwissen für Planung, Schulung, Aufsicht und Echtzeit‑Monitoring. Zusätzlich wurden Schulungen für Impfpersonal und Kaltketten‑Bewertungen durchgeführt, um die Impfstoffpotenz bis zum letzten Kilometer zu gewährleisten.
Überwachung und ergänzende Maßnahmen
Im Rahmen der Kampagne wurden die Überwachungssysteme für akute schlaffe Lähmung (AFP) ausgebaut, um mögliche Poliovirus‑Transmissionen frühzeitig zu erkennen. Gesundheitsanlagen, Gemeindemitglieder und Feldarbeiter wurden angehalten, Verdachtsfälle umgehend zu melden. Parallel zur Impfung wurden weitere Gesundheitsleistungen integriert, darunter die Identifizierung von Null‑Dosis‑ und Unterimpf‑Kinder für die Routine‑Impfung, die Weiterleitung von Fällen mit Geburtsfisteln, Klumpfuß und Tuberkulose‑Screenings.
Blick in die Zukunft
Die äthiopische Regierung bekräftigte ihr Vorhaben, die Impfkampagne durch verstärkte Routine‑Impfungen, verbesserte Surveillance und fortgesetzte grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu ergänzen. Ziel sei es, die Importation und Verbreitung von Polioviren dauerhaft zu verhindern und den Fortschritt hin zu einer polio‑freien Welt zu sichern. Dieser Bericht basiert auf Informationen von WHO, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
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