Langzeitfolgen enger Blutzuckerziele bei Schwangerschaftsdiabetes untersucht
Wesentliche Erkenntnisse
Eine Nachuntersuchung von 315 Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes und deren 313 Kinder zeigte, dass engere Blutzuckerziele während der Schwangerschaft weder die mütterlichen HbA1c‑Werte noch die Körper‑Mass‑Index‑Z‑Scores (BMI‑Z‑Score) der Kinder vier Jahre nach der Geburt signifikant reduzierten. Gleichzeitig wurden höhere Raten von Koordinationsstörungen, autismusähnlichen Verhaltensweisen und erhöhten Gesamtschwierigkeitsscores bei den Kindern aus der engeren Zielgruppe beobachtet.
Studienaufbau
Der TARGET‑Trial war ein stepped‑wedge, cluster‑randomisierter Versuch, der von Mai 2015 bis November 2017 in zehn neuseeländischen Krankenhäusern durchgeführt wurde. Anfangs galten weniger strenge Zielwerte für den Nüchternblutzucker (FPG < 5,5 mmol/L) und die postprandialen Werte (1‑Stunden < 8,0 mmol/L, 2‑Stunden < 7,0 mmol/L). Alle vier Monate wurden jeweils zwei Kliniken randomisiert, engere Zielwerte (FPG ≤ 5,0 mmol/L, 1‑Stunden ≤ 7,4 mmol/L, 2‑Stunden ≤ 6,7 mmol/L) anzuwenden.
Teilnehmerzahl und Datenerhebung
Von 427 potenziell geeigneten Frauen wurden 315 (74 %) für die Nachuntersuchung rekrutiert; deren Kinder wurden zu 313 (73 %) beurteilt. Die primären Endpunkte waren der mütterliche HbA1c‑Wert und der BMI‑Z‑Score der Kinder. Sekundäre Endpunkte umfassten kardiometabolische Risikofaktoren, Körpergröße, Seh‑ und Hörfunktion, motorische Fähigkeiten und Verhaltensbewertungen.
Ergebnisse bei den Frauen
Der mittlere HbA1c betrug in der Engzielgruppe 40 mmol/mol (SD 12,6) und in der weniger engen Gruppe 38 mmol/mol (SD 8,8). Der adjustierte Mittelwertunterschied lag bei 2,17 (95 %‑KI [‑0,26, 4,60]; P = 0,080), was statistisch nicht signifikant war.
Ergebnisse bei den Kindern
Der durchschnittliche BMI‑Z‑Score war in der Engzielgruppe 0,83 (SD 1,72) und in der weniger engen Gruppe 0,75 (SD 1,48); der adjustierte Mittelwertunterschied betrug 0,12 (95 %‑KI [‑0,24, 0,48]; P = 0,498). Kinder aus der Engzielgruppe waren im Mittel 1,83 cm größer (107,8 cm SD 5,5 vs. 106,0 cm SD 5,5; 95 %‑KI [0,58, 3,08]; P = 0,004). Koordinationsstörungen traten bei 31 von 109 (28,4 %) Kindern der Engzielgruppe im Vergleich zu 21 von 118 (17,8 %) Kindern der anderen Gruppe auf (adjustiertes relatives Risiko 1,66; 95 %‑KI [1,01, 2,73]; P = 0,044). Autismusähnliche Verhaltensweisen wurden bei 10 von 108 (9,3 %) Kindern der Engzielgruppe versus 3 von 117 (2,6 %) Kindern der Vergleichsgruppe festgestellt (adjustiertes relatives Risiko 3,67; 95 %‑KI [1,02, 13,23]; P = 0,047). Der Gesamtschwierigkeitsscore des Strengths‑and‑Difficulties‑Questionnaires war höher (8,4 SD 5,1 vs. 6,8 SD 4,5; adjustierter Mittelwertunterschied 1,75; 95 %‑KI [0,51, 3,00]; P = 0,006).
Einschränkungen
Ein wesentlicher Einschränkungspunkt war die Nutzung von Eltern‑ und Patientenfragebögen anstelle von klinischen Untersuchungen für mehrere der gemessenen Kinderausgänge, was potenziell zu Messfehlern führen kann.
Schlussfolgerungen
Die Untersuchung legt nahe, dass engere Blutzuckerziele bei Schwangerschaftsdiabetes keine messbare Verbesserung des mütterlichen HbA1c oder des kindlichen BMI‑Z‑Scores nach viereinhalb Jahren bewirken. Gleichzeitig könnten sie mit ungünstigeren motorischen und verhaltensbezogenen Ergebnissen bei den Kindern assoziiert sein. Weitere Forschung, die klinische Prüfungen einbezieht, ist erforderlich, um optimale Zielwerte zu bestimmen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
Ende der Übertragung
