Eine aktuelle Modellstudie hat gezeigt, dass die sechs‑monatliche Injektion Lenacapavir (LEN) für die HIV‑Prä‑Expositions‑Prophylaxe (PrEP) in Südafrika zwischen 19 % und 31 % der Neuinfektionen verhindern und dabei Kosten von 2.301 $ bis 3.567 $ pro gerettetes Lebensjahr (LYS) verursachen könnte – deutlich günstiger als die orale Kombination Tenofovir‑Disoproxil‑Fumarat/Emtricitabin (TDF/FTC) oder die zwei‑monatliche Injektion Cabotegravir (CAB).
Methodik und Modellannahmen
Die Forscher nutzten das deterministische Kompartiment‑Modell Thembisa v4.8, um die HIV‑Transmission in Südafrika von 2026 bis 2045 zu simulieren. Eingeschlossen wurden Frauen (einschließlich adolescenter Mädchen und junger Frauen), Sexarbeiterinnen, schwangere und stillende Frauen, Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sowie heterosexuelle Männer. Szenarien umfassten die Verdopplung der Initiierungsraten von TDF/FTC, konservative und optimistische Annahmen für LEN und CAB sowie unterschiedliche Nutzungsdauern je Zielgruppe.
Erwartete Auswirkungen auf HIV‑Inzidenz
Bei einer jährlichen Bereitstellung von 1,7 – 2,9 Millionen Dosen LEN sank die HIV‑Inzidenz auf unter 0,1 % im Zeitraum 2039‑2043, also zehn bis vierzehn Jahre früher als im Basisszenario ohne neue Maßnahmen.
Kosten‑ und Wirtschaftlichkeitsanalyse
Die Modellrechnung ergab, dass sowohl TDF/FTC als auch ein konservatives LEN‑Szenario die Gesamtkosten des HIV‑Programms um etwa drei % erhöhen. Dennoch erwies sich LEN als kosteneffizienter (2.301 $‑3.567 $/LYS) im Vergleich zu TDF/FTC (8.143 $/LYS) und CAB (11.114 $‑16.118 $/LYS).
Vergleich mit anderen Präventionsmaßnahmen
Weitere Interventionen wie Kondome, antiretrovirale Therapie (ART), HIV‑Tests und medizinische Beschneidung erwiesen sich in den Modellrechnungen noch kosteneffizienter. Eine ART‑Abdeckung von 95 % sparte 4,8‑‑8‑mal mehr Lebensjahre und kostete nur 577 $ pro LYS.
Optimale Zielgruppen für den Roll‑out
Die Analyse zeigte, dass die erste Zuteilung von etwa 500.000 LEN‑Dosen an adolescenten Mädchen und junge Frauen, MSM und Sexarbeiterinnen die meisten Infektionen verhinderte. Ein flächendeckender Roll‑out, der vor allem Sexarbeiterinnen und MSM priorisiert, war am kosteneffektivsten und konnte bei entsprechender Skalierung sogar Kosteneinsparungen erzielen.
Einschränkungen der Studie
Die Autoren wiesen darauf hin, dass Unsicherheiten bei der tatsächlichen Annahme der Produkte, risikodifferenzierte Nutzung von Langzeitpräparaten und nicht berücksichtigte Real‑World‑Kosten die Ergebnisse beeinflussen könnten.
Schlussfolgerungen
Die Bereitstellung von LEN an Personen mit erhöhtem HIV‑Risiko in Südafrika erscheint kosteneffizienter als die bestehende orale PrEP und könnte die Reduktion der HIV‑Inzidenz beschleunigen. Eine gezielte Priorisierung der Hochrisikogruppen ist dabei entscheidend, um den maximalen gesundheitlichen Nutzen zu erzielen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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