Seit 2023 sind über 1,5 Millionen Bürger in Haiti intern vertrieben, weil bewaffnete Gangverbände weite Teile der Hauptstadt Port‑au‑Prince sowie wichtiger Verkehrsadern kontrollieren und systematisch Gewalt, Erpressung und sexuelle Übergriffe ausüben. Die Situation hat zu einer massiven humanitären Krise geführt, die sowohl die zivile Bevölkerung als auch die staatlichen Institutionen stark belastet.
AusmaĂź der Vertreibung
Laut den Vereinten Nationen leben derzeit mehr als 1,5 Millionen Menschen in behelfsmäßigen Unterkünften, überfüllten Schulen oder verlassenen Verwaltungsgebäuden. Die Zahlen basieren auf den neuesten UN‑Berichten vom Juni 2026 und spiegeln die anhaltende Instabilität im ganzen Land wider.
Gewalt in Carrefour‑Feuilles
Am 17. August 2023 griffen Mitglieder der Gang „Gran Ravine“ das Viertel Carrefour‑Feuilles an, setzten Häuser in Brand, plünderten Geschäfte und verübten mehrere Vergewaltigungen. Zeugen berichteten von gezielten Angriffen auf Zivilisten, bei denen Schüsse fielen und zahlreiche Bewohner verletzt wurden.
Flucht und provisorische UnterkĂĽnfte
Betroffene, darunter eine 46‑jährige Mutter mit drei Kindern, flohen mehrere Kilometer zum administrativen Zentrum von Port‑au‑Prince und fanden Schutz im verlassenen Rex‑Theater. Dort entstanden provisorische Lager aus Metall, Teppichen und Plastik, die bei Hitze kaum atembar und bei Regen von Schlamm überflutet werden.
Humanitäre Lage und Hilfsangebote
Internationale Organisationen wie das UN‑Integrierte Büro in Haiti (BINUH) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) liefern sporadisch Nahrungsmittel und medizinische Versorgung, doch die Hilfe bleibt unzureichend. Menschenrechtsgruppen dokumentieren zudem, dass das interne Management der Lager häufig Erpressung und sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen betreibt.
Reaktion von Sicherheitskräften
Die haitianische Nationalpolizei und die Streitkräfte haben wiederholt versucht, die Kontrolle über zentrale Stadtbereiche zurückzugewinnen, konnten jedoch bislang keine nachhaltigen Fortschritte verzeichnen. Selbstverteidigungsgruppen der Zivilgesellschaft unterstützen gelegentlich die Polizei, verfügen jedoch nicht über ausreichende Mittel.
Internationale Missionen
Die kürzlich eingesetzte Gang‑Suppression‑Force (GSF) soll die vorherige kenianisch geführte Multinationale Sicherheitsunterstützungsmission ablösen. Die haitianische Bevölkerung bleibt jedoch skeptisch, da frühere Einsätze keine messbaren Verbesserungen brachten.
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