Nach Angaben der Vereinten Nationen haben seit dem erneuten Aufflammen der Kämpfe im Jemen über 250.000 Personen ihre Heimat verlassen, wobei die südwestliche Stadt Taiz und die zugehörige Provinz besonders stark betroffen sind. Der Zugang zu Taiz sei „praktisch blockiert“, was die Versorgung der Zivilbevölkerung mit lebensnotwendiger Hilfe stark einschränke.
Ausmaß der Vertreibung
Die UN meldet, dass rund die Hälfte der zuletzt vertriebenen Menschen in Taiz Zuflucht gesucht hat. In der gesamten Provinz wurden bislang 32 Zivilisten getötet, darunter 14 Kinder und neun Frauen. Die Zahl der Verletzten und der Gefahr für die Zivilbevölkerung nehme weiter zu, während die Kämpfe sich zunehmend in dicht besiedelte Stadtgebiete verlagern.
Blockade der Versorgungslinien
Der Menschenrechtschef der Vereinten Nationen, Volker Türk, kritisierte die Schließung der einzigen Versorgungsroute zwischen Taiz und Aden durch die Huthi. Diese Maßnahme behindere humanitäre Hilfen und schneide lebenswichtige Güter ab. Ohne diese Verbindung sei die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Treibstoff stark gefährdet.
Humanitäre Lage in Taiz
Der UNICEF-Vertreter in Jemen, Akhil Iyer, beschrieb die Situation als „ein Ozean von Sorgen“. Viele Flüchtlinge kommen in überfüllte Lager, wo kaum Nahrung, sauberes Wasser oder sanitäre Einrichtungen vorhanden seien. Laut Weltlebensmittelprogramm (WFP) seien die Vorräte an Weizenmehl in den betroffenen Gebieten nahezu erschöpft, und zehn von sechzehn Bezirken seien bereits im Notstand.
Gesundheitliche Notlage
Die Kombination aus fehlender Wasserversorgung, eingeschränkter Treibstofflieferung und blockierten Lieferwegen erhöhe das Risiko einer Gesundheitskrise. Das Land kämpfe bereits mit Cholera-, Masern‑ und Dengue‑Ausbrüchen sowie Verdachtsfällen von Diphtherie. Die WHO berichtete, dass zwölf Krankenhäuser in Taiz nur noch etwa vier Tage Treibstoff für die Stromversorgung besitzen und ein täglicher Mangel an Sauerstoffzylindern bestehe. Von 127 wichtigen Medikamenten seien 115 nur für maximal eine Woche vorrätig.
Reaktionen der UN‑Organisationen
UN‑Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) wies darauf hin, dass rund 65.000 Flüchtlinge und Asylsuchende, überwiegend aus Somalia und Äthiopien, ebenfalls dringend Unterstützung benötigen. Die UN fordern alle Konfliktparteien auf, Kinder und Zivilisten zu schützen, Wasser‑ und Gesundheitssysteme zu sichern und den humanitären Zugang gemäß internationalem humanitärem Recht zu ermöglichen.
Ausblick
Solange die Versorgungsroute blockiert bleibt, dürften die humanitären Bedürfnisse in Taiz weiter steigen. Die Vereinten Nationen betonen, dass ein sofortiges Öffnen der Lieferwege und die Gewährleistung von Treibstoff und medizinischer Versorgung entscheidend seien, um ein weiteres Ausmaß an Leid zu verhindern.
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