Mehr als 600 Wissenschaftler trafen sich diese Woche in Venedig, um die zukünftige Ausrichtung der europäischen Teilchenphysik zu erörtern. Das Open Symposium dient als zentraler Baustein für die laufende Aktualisierung der Europäischen Strategie für Teilchenphysik (ESPP), deren Empfehlungen voraussichtlich Anfang 2026 dem CERN‑Rat vorgelegt werden.

Rückblick auf die Strategie von 2020

Die vorherige ESPP‑Aktualisierung im Jahr 2020 betonte die Notwendigkeit, Europas wissenschaftliche und technologische Führungsposition zu sichern. Aufbauend auf der Entdeckung des Higgs‑Bosons am Large Hadron Collider (LHC) wurde ein Elektron‑Positron‑„Higgs‑Fabrik“-Projekt als höchste Priorität definiert, gefolgt von der langfristigen Ambition, einen Proton‑Proton‑Collider mit höchstmöglichen Energien zu betreiben.

Stellungnahme des CERN‑Direktors

„Die Zeit ist reif, um eine brillante Zukunft für unser Fach in Europa zu gestalten, gemeinsam mit unseren globalen Partnern“, erklärte Fabiola Gianotti, Direktor des CERN. Sie betonte, dass die weltweite CERN‑Gemeinschaft bereits bewiesen habe, komplexe Einrichtungen zu planen, zu bauen und zu betreiben, und dass diese Fähigkeit die größte Stärke für kommende ambitionierte Projekte sei.

Beitrag der Gemeinschaft

Insgesamt 266 Einsendungen aus allen Bereichen der Teilchenphysik bildeten die Grundlage für die lebhaften Diskussionen. Teilnehmer aus fast 40 Ländern, darunter zahlreiche Nachwuchsforscher, forderten ein ambitioniertes und innovatives Forschungsprogramm, das CERN als weltweit führendes Zentrum für Kollidertheorie erhalten und gleichzeitig ein vielfältiges Portfolio ermöglichen soll. Beiträge aus benachbarten Disziplinen zeigten zudem enge Verknüpfungen zur Kern‑ und Astroteilchenphysik.

Optionen für den nächsten Groß‑Collider

Ein zentrales Ziel der ESPP‑Aktualisierung 2026 ist die Identifizierung des vielversprechendsten Flagship‑Colliders, der den LHC ablösen soll. In Reaktion auf die Strategie von 2020 wurde im März 2025 eine Machbarkeitsstudie für einen Future Circular Collider (FCC) veröffentlicht, der einen 91 km‑Umfang‑Tunnel für einen Elektron‑Positron‑Collider und später einen Energie‑Frontier‑Proton‑Proton‑Collider vorsieht. Weitere Optionen umfassen einen linearen Elektron‑Positron‑Collider am CERN sowie kleinere Re‑Use‑Konzepte für den bestehenden LHC‑Tunnel. Fortschritte beim Muon‑Collider wurden ebenfalls berichtet, wobei noch mehrere Jahre Forschung und Entwicklung nötig sind.

Unterstützung aus den Mitgliedsstaaten

Die nationale Rückmeldung aus den 25 CERN‑Mitgliedsstaaten zeigt breite Unterstützung für das FCC‑Programm, das wegen seines herausragenden wissenschaftlichen Potenzials und seines strategischen Langzeitwerts geschätzt wird. Parallel dazu werden alternative Optionen weiterhin diskutiert. Expertenpanels prüfen die vorgeschlagenen Collider hinsichtlich ihres physikalischen Potenzials, ihrer Umweltauswirkungen, ihrer Nachhaltigkeit, technischen Reifegrads, Kosten, Personalbedarfs und Zeitpläne.

Aussage des CERN‑Rates

„Ich freue mich, dass die Empfehlungen der 2020‑Strategie und deren Umsetzung im FCC‑Studienbericht überwältigende Unterstützung aus der Hochenergie‑Physik‑Gemeinschaft erhalten haben“, sagte Costas Fountas, Präsident des CERN‑Rates. Er betonte, dass die Entdeckung des Higgs‑Bosons im Jahr 2012 den Beginn einer neuen Entdeckungsreise markiere, die nur durch einen zukünftigen Collider mit dem breitesten und leistungsstärksten Forschungsprogramm realisierbar sei.

Weiterer Zeitplan

Nach dem intensiven Dialog beim Open Symposium werden die Diskussionen in den kommenden Monaten fortgesetzt. Eine zweite Eingaberunde der nationalen Gemeinschaften soll bis zum 14. November abgeschlossen sein und bildet die Basis für die endgültigen Strategieempfehlungen, die im Dezember ausgearbeitet werden. Karl Jakobs, Strategie‑Sekretär, betonte, dass die aktive Beteiligung aus Europa und darüber hinaus entscheidend sei, um das nächste Groß‑Accelerator‑Projekt zu definieren und CERNs Führungsrolle zu sichern.

Dieser Bericht basiert auf Informationen von CERN, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.

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