Menschen mit Behinderung haben höhere Krebssterblichkeit in Australien
Eine groß angelegte Studie, die Daten von 2011 bis 2022 nutzt, hat gezeigt, dass Menschen mit Behinderung in Australien deutlich häufiger an Krebs sterben als Menschen ohne Behinderung. Die Analyse umfasst über 10 Millionen erwachsene Personen im Alter von 25 bis 74 Jahren.
Studienumfang und Methodik
Forscher haben nationale Registerdaten verknüpft, um eine Kohorte von 10 414 951 Personen zu bilden. Die Behinderung wurde im Zensus 2011 als Bedarf an Hilfe bei grundlegenden Alltagsaktivitäten definiert. Krebsbedingte Todesfälle wurden aus den nationalen Sterberegistern ermittelt. Insgesamt wurden 219 257 krebsbedingte Todesfälle über 93 940 222 Personenjahre (Durchschnitt 9,2 Jahre) beobachtet.
Absolute Unterschiede in der Krebssterblichkeit
Nach Altersstandardisierung ergaben sich pro 100 000 Personenjahre 314 (95 % KI 301–328) mehr krebsbedingte Todesfälle bei Frauen und 410 (95 % KI 394–427) mehr bei Männern mit Behinderung im Vergleich zu Personen ohne Behinderung. Die Sterblichkeitsrate war damit fast doppelt so hoch (Frauen Rate Ratio 1,96; Männer Rate Ratio 1,83).
Krebsartenspezifische Ungleichheiten
Der größte absolute Unterschied bestand bei Lungenkrebs – 67 (95 % KI 60–73) mehr Todesfälle pro 100 000 Personenjahre bei Frauen und 103 (95 % KI 95–111) bei Männern mit Behinderung. Weitere signifikante Unterschiede zeigten sich bei Brustkrebs bei Frauen (54 (95 % KI 49–60) mehr), Prostatakrebs bei Männern (31 (95 % KI 26–36) mehr) und kolorektalem Krebs (30 bei Frauen, 44 bei Männern).
Altersbezogene Beiträge
Ab einem Alter von 35 Jahren war Lungenkrebs der wichtigste Treiber der absoluten Ungleichheiten in beiden Geschlechtern. Bei Frauen folgte in den meisten Altersgruppen Brustkrebs, gefolgt von kolorektalem Krebs. Bei Männern war kolorektaler Krebs nach Lungenkrebs die zweitgrößte Ursache, während Prostatakrebs besonders ab dem 55. Lebensjahr stark beitrug.
Relative Ungleichheiten und Risikofaktoren
Die relativen Unterschiede blieben für einzelne Krebsarten in beiden Geschlechtern ähnlich hoch. Ein erheblicher Teil der Differenz wurde durch Krebsarten erklärt, die mit Rauchen, Übergewicht und Alkoholkonsum zusammenhängen.
Einschränkungen der Studie
Ein Hauptnachteil besteht darin, dass der Behinderungsstatus nur zu einem einzigen Zeitpunkt (2011) erfasst wurde, wodurch mögliche Veränderungen im Verlauf nicht berücksichtigt werden konnten.
Implikationen für die Krebsbekämpfung
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Präventions- und Behandlungsmaßnahmen gezielt auf Menschen mit Behinderung auszurichten, um die bestehende Mortalitätslücke entlang der gesamten Krebsversorgung zu schließen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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