Eine retrospektive Kohortenstudie mit über 7,8 Millionen US‑Erwachsenen ab 50 Jahren zeigte, dass das Vorhandensein von metabolischen Risikofaktoren (MRFs) mit höheren Langzeitodds für leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI), vaskuläre Demenz (VD) und Alzheimer‑Erkrankung (AD) verbunden ist.
Studienpopulation und Methodik
Die Analyse nutzte Daten aus dem TriNetX‑Netzwerk (2003–2023) von 69 US‑Gesundheitseinrichtungen. Nach Ausschluss von Personen mit bereits diagnostizierter kognitiver Beeinträchtigung, zerebrovaskulärer Erkrankung, fortgeschrittener Lebererkrankung, Malignität, Schizophrenie oder Substanzmissbrauch wurden zwei propensity‑gematchte Kohorten erstellt: 3.546.833 Personen mit MRFs gegenüber gleich vielen gesunden Kontrollen sowie 525.844 Personen mit metabolischer Dysfunktion‑assoziierter Steatose‑ bzw. Steatohepatitis (MASLD/MASH) im Vergleich zu MRF‑nur‑Patienten. Matching erfolgte nach Alter, Geschlecht, Rasse und ethnischer Zugehörigkeit.
Ergebnisse fĂĽr metabolische Risikofaktoren
Im Vergleich zu gesunden Kontrollen wiesen Personen mit MRFs signifikant höhere Odds für VD (OR = 1,65; 95 %‑KI 1,63–1,67), MCI (OR = 1,45; 95 %‑KI 1,42–1,48) und AD (OR = 1,21; 95 %‑KI 1,19–1,24) auf, wobei alle p‑Werte < 0,001 lagen.
Ergebnisse fĂĽr MASLD/MASH
Im Vergleich zur MRF‑Nur‑Gruppe hatten Personen mit MASLD/MASH ein geringeres Risiko für VD (OR = 0,86; 95 %‑KI 0,83–0,89) und AD (OR = 0,83; 95 %‑KI 0,78–0,88), jedoch ein erhöhtes Risiko für MCI (OR = 1,37; 95 %‑KI 1,30–1,44), ebenfalls mit p < 0,001.
Interpretation und mögliche Erklärungen
Die divergent‑artigen Risikoprofile deuten darauf hin, dass MASLD/MASH mit einem spezifischen kognitiven Verlauf verbunden sein könnte. Ein möglicher Erklärungsansatz ist ein konkurrierendes Mortalitätsrisiko, das die Beobachtung von VD und AD reduziert, sowie ein Survivor‑Bias und verbleibende Confounder, die die Ergebnisse beeinflussen könnten.
Implikationen fĂĽr die klinische Praxis
Die Ergebnisse legen nahe, dass Patienten mit MRFs generell einer intensiveren kognitiven Überwachung bedürfen. Für die Untergruppe mit MASLD/MASH wird empfohlen, besonders auf frühe Anzeichen von MCI zu achten, während das Risiko für VD und AD möglicherweise anders zu bewerten ist.
Stärken und Schwächen der Studie
Stärken umfassen die enorme Stichprobengröße, die multizentrische Erfassung und das Propensity‑Score‑Matching. Einschränkungen ergeben sich aus dem retrospektiven Design, der Nutzung von ICD‑10‑Codes zur Diagnosestellung und dem potenziellen Vorhandensein unbeobachteter Confounder.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
Ende der Uebertragung