Kernergebnis
Eine Untersuchung mit zwei Feldexperimenten hat gezeigt, dass ein gemischtes Anonymitätsverfahren die Neuheit von einzeln generierten Ideen steigern kann, während Menge und Nutzerwert unverändert bleiben. Das Ergebnis wurde in einer Studie von Theresa Wöllner, Tim G. Schweisfurth und Alexander Brem veröffentlicht.
Hintergrund
Nominales Brainstorming nutzt die unabhängige Ideengenerierung von Einzelpersonen, um kreative Leistungen zu fördern. Vorangegangene Forschung lieferte widersprüchliche Befunde zur Rolle von Anonymität: Anonyme Formate könnten Bewertungsscheu mindern, könnten jedoch Freifahrerverhalten begünstigen; nicht‑anonyme Formate erhöhen die Verantwortlichkeit, können aber Angst vor negativer Bewertung auslösen.
Konzept des gemischten Anonymitätsansatzes
Der gemischte Ansatz kombiniert anonyme Ideengenerierung mit einer nachträglichen Offenlegung der Identität der besten Ideen. Ziel ist, die Vorteile beider Verfahren zu verbinden, ohne die jeweiligen Nachteile zu verstärken.
Zwischen‑Gruppen‑Experiment (N = 216)
In einem zwischen‑Gruppen‑Design wurden Teilnehmer zufällig einer anonymen, einer nicht‑anonymen oder einer gemischt‑anonymen Bedingung zugewiesen. Die Messgrößen umfassten die Menge, Neuheit und den Nutzerwert der generierten Ideen. Die Analyse ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Bedingungen hinsichtlich aller drei Messgrößen.
Innerhalb‑Gruppen‑Experiment (N = 192)
Ein zweites Experiment setzte ein innerhalb‑Gruppen‑Design ein, bei dem jeder Teilnehmer alle drei Bedingungen durchlief. Hier zeigte sich ein signifikanter Anstieg der Ideen‑Neuheit unter der gemischt‑anonymen Bedingung im Vergleich zu den rein anonymen und nicht‑anonymen Bedingungen. Für Menge und Nutzerwert wurden keine signifikanten Effekte festgestellt.
Vermittler und Interpretation
Die Studie prüfte, ob Bewertungsscheu und Freifahrerverhalten die beobachteten Effekte vermitteln. Beide Variablen erwiesen sich jedoch als nicht signifikant, sodass sie die Unterschiede in der Neuheit nicht erklären konnten. Die Autoren schließen, dass die Wirksamkeit gemischter Anonymität kontextspezifisch ist und nicht ausschließlich durch die untersuchten theoretischen Mechanismen erklärt werden kann.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass gemischte Anonymität das Potenzial hat, die kreative Neuheit in individuellen Brainstorming‑Szenarien zu erhöhen, jedoch nicht konse
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