USA: Multidomain funktioneller Abstieg vor und nach Stürzen bei älteren Erwachsenen
Studienaufbau und Teilnehmer
Eine aktuelle Studie analysierte Daten aus den Jahren 2010 bis 2021, die von drei nationalen Kohorten aus China, dem Vereinigten Königreich und den USA erhoben wurden. Insgesamt wurden 28.773 Personen im Alter von 60 Jahren oder älter in die Analyse einbezogen. Durch ein 1:1‑Matching wurden 5.495 Teilnehmende, die im Beobachtungszeitraum mindestens einen Sturz meldeten, mit 5.495 Teilnehmenden ohne Sturzereignis verglichen. Das durchschnittliche Alter lag bei 71,0 Jahren (SD 7,2).
Messungen und Analyseverfahren
Physische Funktion, depressive Symptome und kognitive Leistungsfähigkeit wurden wiederholt erfasst. Physische Fähigkeiten wurden mittels Aktivitäten‑des‑Alltags‑Skalen, depressive Symptome über standardisierte Depressionsfragebögen und kognitive Leistung über etablierte kognitive Tests gemessen. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Stück‑weise linearer gemischter Modelle sowie gruppenbasierter Multi‑Trajektorien‑Modelle, wobei Alter, Geschlecht, Kohorte, sozioökonomischer Status, Lebensstil, Sinnesfunktion und wesentliche chronische Erkrankungen als Kovariaten berücksichtigt wurden.
Funktionelle Unterschiede vor und nach Stürzen
Im Vergleich zu Teilnehmenden ohne Sturz wiesen die Sturz‑Gruppen bereits bis zu fünf Jahre vor dem Ereignis schlechtere physische Funktion, intensivere depressive Symptome und geringere kognitive Leistungen auf. Diese Unterschiede blieben nach dem Sturz bestehen.
Entwicklung physischer Funktionen
Die Analyse zeigte für die physische Funktion eine beschleunigte Verschlechterung sowohl vor (β_fall × pre‑time = ‑0,116; 95 % CI [‑0,142, ‑0,089]) als auch nach dem Sturz (β_fall × post‑time = ‑0,039; 95 % CI [‑0,050, ‑0,028]).
Psychische und kognitive Entwicklungen
Depressive Symptome verschlechterten sich vor dem Sturz signifikant schneller (β_fall × pre‑time = ‑0,018; 95 % CI [‑0,026, ‑0,011]), jedoch nicht nach dem Ereignis. Die kognitive Leistungsfähigkeit zeigte hingegen nur nach dem Sturz eine beschleunigte Abnahme (β_fall × post‑time = ‑0,008; 95 % CI [‑0,016, 0,000]).
Gemeinsame Verlaufsmuster
In den Multi‑Trajektorien‑Analysen war ein simultanes Fortschreiten aller drei Funktionsbereiche mit dem höchsten Risiko für Stürze verbunden (Odds Ratio = 2,45; 95 % CI [1,97, 3,05]). Die Assoziationen wurden stärker, je schwerwiegender das Sturzereignis war.
Einschränkungen der Studie
Die Studie beruhte auf selbstberichteten Stürzen und einigen funktionalen Messungen, was zu Messfehlern führen kann. Zudem verhindert das Beobachtungsdesign die Ableitung kausaler Schlüsse.
Implikationen für Prävention
Die Ergebnisse legen nahe, dass ein multidomain‑funktioneller Abstieg mehrere Jahre vor einem Sturz erkennbar ist und nach dem Ereignis weiter fortschreitet. Damit könnten Stürze als Indikator für einen breiteren funktionellen Verfall dienen, was präventive und therapeutische Maßnahmen in den Bereichen physische, psychische und kognitive Gesundheit rechtfertigt.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
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