Multimodale Prähabilitation vor offener Bauchaortenaneurysma-Operation senkt Komplikationsrate
Eine internationale, multizentrische randomisierte Studie untersucht, ob ein sechs‑wöchiges multimodales Prähabitationsprogramm die Rate postoperativer Komplikationen bei Patienten reduziert, die sich einer offenen Bauchaortenaneurysma‑Operation (AAA) unterziehen. Insgesamt 152 Patienten werden im Verhältnis 1:1 entweder mit dem Prähabitationsprogramm oder mit der üblichen präoperativen Versorgung behandelt. Der primäre Endpunkt ist die postoperative Komplikationsrate, gemessen mit dem Comprehensive Complication Index (CCI).
Hintergrund der Untersuchung
Patienten, die eine offene AAA‑Reparatur benötigen, weisen häufig eine eingeschränkte funktionelle Grundkapazität auf und bleiben trotz moderner Operationsmethoden einem hohen Risiko für postoperative Komplikationen ausgesetzt. Vorangegangene Forschung hat gezeigt, dass präoperative Optimierung – insbesondere im Bereich Bewegung, Ernährung und Psyche – potenziell die Ergebnisqualität verbessern kann, jedoch fehlen belastbare Daten für den spezifischen Kontext der offenen AAA‑Operation.
Intervention und Studienaufbau
Das Prähabitationsprogramm kombiniert drei Komponenten: betreutes Ausdauer‑ und Krafttraining, individuell abgestimmte ernährungsmedizinische Unterstützung sowie psychologische Beratung zur Reduktion von Angst und Depression. Die Intervention erstreckt sich über sechs Wochen vor dem geplanten Eingriff. Die Kontrollgruppe erhält die standardmäßige präoperative Versorgung ohne zusätzliche strukturierte Maßnahmen.
Methodik und Registrierung
Die Studie ist als randomisierte, kontrollierte, parallel‑gruppierte Untersuchung konzipiert und folgt den SPIRIT‑2013‑Richtlinien. Die Randomisierung erfolgt zentral und blind für die Zuteilung, die Analyse wird intention‑to‑treat durchgeführt. Das Studiendesign ist unter der Kennung NCT05756283 im ClinicalTrials.gov‑Register eingetragen.
Erwartete Ergebnisse und sekundäre Messgrößen
Laut Studienprotokoll soll das Prähabitationsprogramm die CCI‑Werte signifikant senken. Weitere sekundäre Endpunkte umfassen die Dauer des Krankenhausaufenthalts, Wiederaufnahmeraten, Änderungen der funktionellen Leistungsfähigkeit, die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie die Ausprägung von Angst und Depression.
Potenzielle Bedeutung für die Praxis
Die Forschenden gehen davon aus, dass die Ergebnisse Leitlinien für die präoperative Optimierung bei offener AAA‑Reparatur beeinflussen und zur Weiterentwicklung von Enhanced‑Recovery‑Programmen im Gefäßbereich beitragen können. Eine Reduktion der Komplikationsrate würde nicht nur die Patientensicherheit erhöhen, sondern auch potenziell Kosten im Gesundheitswesen senken.
Stimmen aus dem Forschungsteam
Der leitende Forscher betont, dass die Kombination aus körperlicher, ernährungsbezogener und psychologischer Vorbereitung ein ganzheitliches Konzept darstelle, das bislang in dieser Patientengruppe kaum evaluiert wurde. „Wir erwarten, dass das Programm die Resilienz der Patienten stärkt und damit die postoperative Erholung beschleunigt“, heißt es in einer Projektbeschreibung.
Zeitrahmen und Ausblick
Die Rekrutierung der 152 Probanden begann im Frühjahr 2023 und soll bis Ende 2024 abgeschlossen sein. Die Nachbeobachtung erstreckt sich über zwölf Monate nach dem Eingriff, wobei alle Endpunkte zu definierten Zeitpunkten erfasst werden. Die Publikation der Ergebnisse ist für das zweite Quartal 2025 geplant.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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